Der Gutmensch Nicolas Berggruen


Als er sich 2010 darum bemühte, den maroden Karstadt-Konzern zu erwerben, war er everybody’s darling. Nicolas Berggruen wurde so dargestellt, als würde er sich den Karstadt-Konzern aus reiner Menschenliebe ans Bein binden. Es war das Duell Gutmensch gegen Heuschrecke.

Dass Nicolas Berggruen sich so etwas wie die Karstadt-Rettung nicht aus reiner Nächstenliebe antut, das hätte man sich schon damals denken können, Aber das Bild vom Gutmenschen Berggruen war einfach zu schön um es mit Misstrauen zu trüben.

Jetzt hat das ZDF eine Reportage über den Karstadt-Retter ausgestrahlt. Ich war zuerst sehr skeptisch ob ich das überhaupt anschauen sollte. Ich habe dann doch angefangen zu schauen und bin dann gespannt drangeblieben. Das politische networking von Finanzinvestoren (Schröder inbegriffen), die Mechanismen der Steuervermeidung und die gesellschaftlichen Folgen von Fehlinvestitionen werden ebenso herausgearbeitet wie die Intransparenz des Geschäftsgebarens gegenüber Mitarbeitern und Öffentlichkeit. Eines der selten gewordenen rühmenswerten Beispiele für investigativen Journalismus unserer Öffentlich-Rechtlichen. Unbedingt ansehen, bevor es aus der Mediathek wieder verschwindet.

Der schleichende Tod der Demokratie


Was für ein schönes Bild wurde uns gestern bei der Nominierung des Bundespräsidentenkandidaten gewährt. Fast wie das „Abendmahl“ sah es aus, als die 5 Parteivorsitzenden ihren Kandidaten kürten. Diese religiöse Überhöhung passt ja, wenn man einen Theologen vorstellt.

Aber das führt vom Thema weg. Wir haben es in Deutschland schon einmal erlebt, dass die Demokratie unter demokratischem Deckmantel abgeschafft wurde. Heute sind wir fast schon wieder so weit. Unsere Demokratie ist zur Fassade für eine Politkaste verkommen, die „alternativlose“ Entscheidungen zum Mittel der Wahl macht. Alles ist inzwischen dermaßen „alternativlos“ geworden, dass sogar große Teile der Opposition keine Alternativen mehr bieten. Weiterlesen

Vergifteter Valentinstag


Am Valentinstag herrscht wieder Hochbetrieb in allen Blumenläden. Schnittblumen sind der Renner, denn der Kaufbefehl des Tages lautet: „Blumen für die Liebste!“.

Doch die Schnittblumen kommen zunehmend aus den Billiglohnländern Kenia, Äthiopien, Uganda, Kolumbien und Ecuador, wo die Blumenindustrie einen hohen Stellenwert einnimmt. Sie ist sehr arbeitsintensiv und deshalb ein wichtiger Arbeitgeber. Pflege, Ernte, alles wird von Hand gemacht. In den Entwicklungsländern weltweit sind 200.000 bis 300.000 Menschen in der Blumenindustrie beschäftigt. Was die Arbeiter dort verdienen, reicht jedoch nicht aus, um eine Familie zu ernähren.

Die Blumenindustrie setzt zudem massiv Pestizide ein. Die Arbeiter in den Betrieben sind einer Unmenge von Giften ausgesetzt. Die Beschäftigten haben Atem- und Hautbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen. Das Problem ist, dass die schädlichen Folgen von einzelnen Stoffen nur zum Teil untersucht sind und man weiß sehr wenig darüber, wie Mischungen aus verschiedenen Pestiziden zusammenwirken.

Es kommt auch immer wieder zu Unfällen – wenn zum Beispiel Arbeitern beim Mischen der Stoffe das Gift ins Gesicht spritzt. Das kann bis hin zur Erblindung führen. Neben den direkten Auswirkungen der Pestizide treten massive Langzeitfolgen auf, wie etwa schleichende Vergiftungen, die sich manchmal erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen. Auch Fruchtbarkeitsstörungen treten auf, bis hin zu Fehlgeburten. Untersuchungen haben ergeben, dass die Kinder von Blumenarbeiterinnen körperlich nicht auf dem Stand von Gleichaltrigen sind. Das Risiko, dass sie auch geistig zurückbleiben, ist hoch.

Über Abwässer gelangen die Gifte zusätzlich in die Umgebung der Plantagen, wo sie Böden, Trink- und Grundwasser verseuchen. Wer Nahrung zu sich nimmt, die in der Nähe von Blumenplantagen gewachsen ist oder auf andere Art mit den Giftabfällen zu tun hat, unterliegt ebenfalls dem Risiko, sich zu vergiften.

Im Jahresdurchschnitt kommen etwa 30 Prozent der in Deutschland gehandelten Schnittblumen aus Entwicklungsländern. Jetzt in der kalten Jahreszeit sind es naturgemäß deutlich mehr.

Wer ruhigen Gewissens der Liebsten eine Freude machen will, sollte im Blumenladen nach dem Fair-Trade-Siegel fragen. Die von Fair Trade zertifizierten Betriebe müssen sehr strenge Auflagen einhalten und werden sorgfältig kontrolliert. Ihre Arbeiter werden zwar auch nicht reich, aber sie erhalten zumindest einen Gesundheitsschutz, können sich organisieren und sind fest angestellt.

Auf Schrott gebaut


Kann man ein gesamtes Wirtschaftssystem auf Schrottprodukten aufbauen? Kann man!

Das auf ständiges Wachstum angewiesene kapitalistische Wirtschaftssystem kann es sich nicht erlauben, auf Produkte zu bauen, die lange halten. Es ist im Gegenteil wichtig und gewollt, dass Produkte einen relativ kurzen Lebenszyklus haben und dann eben ersetzt werden müssen. Nur so kann ein immerwährender Konsumzwang erzeugt werden, der die Wirtschaft am laufen hält. Die Produkte werden mit Absicht so hergestellt, dass nach einer definierten Lebensdauer Defekte auftreten, deren Reparatur nicht lohnend erscheint oder gar nicht möglich ist. So muss dann das Produkt ersetzt werden.

Sei etwa Anfang der 20er Jahre im letzten Jahrhundert wird bei immer mehr Produkten der Lebenszyklus künstlich verkürzt. Man könnte also fast alle Produkte so herstellen, das sie um ein Vielfaches länger Weiterlesen

15J Globaler Aktionstag in Düsseldorf – Umzingelung des Landtags!


Protest hat viele Namen und Gesichter! Menschen empören sich, vernetzen sich, engagieren sich und fordern weltweiten Wandel: “Global Change”!

Wir alle erleben, wie unser politisches System mit seiner fragwürdigen Machtverteilung versagt. Politik, die zur Zeit betrieben wird, kann die unerträglichen sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Probleme nicht lösen, sie verursacht diese.

Wenn Wahlen anstehen, wird um unsere Stimme geworben.

Sind die Wahlen vorbei, wollen die Gewählten uns nicht mehr hören!

Deshalb wollen wir ein Zeichen setzen!

Am 15. Januar 2012 werden wir unseren Protest zum Landtag tragen. Wir treffen uns um 14 Uhr am DGB-Haus (Friedich-Ebert-Straße, 200 Meter vorm Hauptbahnhof) und ziehen von dort aus um 15 Uhr zum Landtag, um ihn ab 16 Uhr zu umzingeln. Wir werden unserer Empörung Ausdruck verleihen!

Im Anschluss ist ab 18 Uhr für Musik, gute Laune und Getränke gesorgt, gemeinsam lassen wir den Abend im oder um den Landtag ausklingen.

14 Uhr – Treffen am DGB-Haus zur Demo

15 Uhr – Beginn des Demo-Zugs zum Landtag

16 Uhr – Umzingelung des Landtages

18 Uhr – Ausklang im / um den Landtag

Malt Schilder / Plakate oder lasst einfach eure Stimme laut werden. Ladet FreundInnen, Bekannte, KollegInnen und Familie ein, um die Events am 14. und 15. Januar zu einem Erfolg zu machen.

Gehe mit auf die Straße, denn es ist dein Recht!

Auf zum Düsseldorfer Landtag!

Occupy weltweite Demos am 15. Januar


occupy15j

Hingehen und mit demonstrieren. Ich will keinen an dem Sonntag zuhause auf seiner Bude rumhängen sehen.

Hier der Aufruf zur Demo:

#15j – Global change – Eine mögliche Welt ist anders!

Occupy ruft zu weltweiten Demonstrationen auf Weiterlesen

Risikogesellschaft


Kürzlich habe ich einen Artikel gelesen, der mich über Risiken nachdenken ließ.
Gesellschaften befinden sich in einem ständigen Wandel. Und zum Wandel gehören Risiken zwingend dazu. Wer eine Entscheidung fällt, weiß nicht, ob es genauso ausgeht, wie er sich das vorgestellt hat. Das Risiko, dass es anders kommt, wohnt jeder Entscheidung inne. Das gilt im Persönlichen ebenso, wie in der „großen“ Politik.
Das Zitat, dass „In der Moderne (…) die gesellschaftliche Produktion von Reichtum systematisch einher[gehe] mit der gesellschaftlichen Produktion von Risiken“, trifft eben nicht nur auf die Moderne zu, sondern auf jedwede Gesellschaft. Beleg dafür sind die untergegangenen Großreiche der Antike ebenso, wie die untergegangenen sozialistischen Gesellschaften der Neuzeit.
Der Unterschied in der Moderne ist wohl, dass Risiken entstanden sind, die globale Auswirkungen haben können. Der massenhafte Einsatz von Pestiziden verseucht nicht nur den Boden in den Entwicklungs- und Schwellenländern, er macht auch die Verbraucher in den Industriestaaten krank. Die massenhafte Kreditvergabe an arme Schlucker in den USA führte auch dazu, dass Rentner in Deutschland ihr Erspartes verloren haben. Das heisst, Risiken, die an einem Ende der Welt eingegangen werden, können existentielle Bedrohungen für Menschen darstellen, die zigtausende Kilometer entfernt leben und mit der ursprünglichen Entscheidung gar nichts zu tun haben. Das heisst aber auch, dass der Verursacher eines Risikos oft persönlich nicht mehr von den Folgen betroffen ist.
Diese Globalisierung der Risiken und die Entkopplung von Risikoverursacher und Risikoträger sind wohl auch ein Grund für das Entstehen der „Occupy-Bewegubg“. So inhomogen wie die globalen Risiken sind die Interessen derjenigen, die sich dagegen auflehnen. Einziger gemeinsamer Beweggrund ist die persönliche Betroffenheit. Dieser persönlichen Betroffenheit müssten sich viel mehr Menschen bewusst werden und erkennen, dass die wirkliche Macht für Veränderungen von der Masse der Menschen ausgeht.