Peinlicher Versprecher von Kanzlerin Merkel


In der heutigen Regierungserklärung sagte Bundeskanzlerin Merkel wörtlich: „Antisemitismus ist unsere staatliche und bürgerliche Pflicht.“ Ich habe es live erlebt und dachte zuerst, ich hätte mich verhört. Besonders, weil aus dem versammelten Plenum aber auch nicht die Spur einer Reaktion kam. Man kann sich die Passage auf der Seite des Bundestages anschauen und wird erleben, dass sie es tatsächlich so gesagt hat (etwa ab 10:30).

Man stelle sich das einmal vor, die Bundeskanzlerin sagt vor dem versammelten Bundestag, Antisemitismus sei eine staatliche und bürgerliche Pflicht und kein Mensch reagiert darauf. Haben denn alle ihr Gehirn an der Tür des Plenarsaales abgegeben? Hört der Frau keiner mehr zu?

Immerhin haben die Medien den Versprecher so langsam, nach und nach, aufgegriffen. Den Bock hat aber ZEIT-Online abgeschossen, die behaupten nämlich immer noch, Merkel hätte gesagt, der Kampf gegen Antisemitismus sei staatliche und bürgerliche Pflicht.

Bildschirmfoto vom 2015-01-15 19:12:37

Screenshot aus Zeit-online vom 2015-01-15 19:12:37 Hervorhebung von mir

Das mag vielleicht so im Manuskript gestanden haben, aber gesagt hat sie es so nicht. Und dann versteigt sich die Redaktion der Zeit sogar noch, einen Kommentator, der auf den Fehler hinweist, zu fragen, wo denn eine verlässliche Quelle zu finden sei.

Bildschirmfoto vom 2015-01-15 19:10:01

Screenshot Zeit.online vom 2015-01-15 19:10:01

Es ist unfassbar.

Halali


Nun hat er also doch die Brocken hingeworfen. Christian Wulff hat vor wenigen Minuten seinen Rücktritt vom Präsidentenamt erklärt.

Die Hatz ist vorbei. Wochenlang wurde jedes Steinchen in Wulffs Umgebung umgedreht, ob da nicht irgendein Schmutz drunter verborgen ist. Und oft kam etwas dabei heraus. Viel von dem, was da so hochgekocht wurde, waren doch nur Petitessen. Aber es reichte um Wulffs Weste immer bekleckerter aussehen zu lassen. Und Wulff selbst hat eine Krisenbewältigungsstrategie gefahren, die man seinem schlimmsten Feind nicht wünscht. So war das Ende abzusehen, allein es kam viel zu spät. Erst dann zurückzutreten, wenn einem die Staatsanwaltschaft an den Hacken klebt, ist – sagen wir mal – unprofessionell.

Jetzt werden wir wieder einmal beobachten können, wie die Parteien um ein Amt schachern. Aber natürlich in einer Art und Weise, wie es der Würde des Amtes gebührt.

Qui bono?


Christian Wulff ist seit Tagen der Mittelpunkt des medialen Interesses und alles andere rückt irgendwie in weite Ferne. Ich habe mich ja auch schon einige Male über die Affäre ausgelassen. Doch eine andere Seite der ganzen Angelegenheit bleibt unausgesprochen oder sie taucht in nur wenigen Artikeln randständig auf.

Die Frage, die mich zunehmend beschäftigt: um was geht es hier eigentlich? Wer spielt hier sein Spiel mit uns und zu welchem Zweck?

Wir alle haben hier ein paar Puzzle-Teile in der Hand und es wird ein Riesen Wirbel darum gemacht.

Ich frage mich ernsthaft, warum ein mit allen Wassern gewaschener Politiker am Telefon so ausrasten sollte, wenn es nur darum geht, dass ein Hauskredit an die Öffentlichkeit kommen könnte. Weiterlesen

Ich bleibe im Amt


Zunächst wollte ich ja nur einen Kommentar im Textdepot schreiben, der hat sich aber dann doch zu einem eigenen Beitrag ausgewachsen.

Nach quälend langen Tagen (der Präsident musste ja auch nach der anstrengenden Weihnachtsansprache zuerst einmal Urlaub machen) hat sich Christian Wulff erneut zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Im heimeligen Studio vor zwei braven Journalisten gab er Auskunft. Meiner Meinung nach wieder genau im Guttenberg-Schema. Halbherzige Eingeständnisse und lauwarme Entschuldigungen, dazu sich selbst sie Opferrolle zuschreibend. Weiterlesen

Affäre Wulff nimmt kein Ende – neue Vorwürfe


So wie das alte Jahr aufgehört hat, so beginnt das Neue. Vorwürfe gegen unseren Bundespräsidenten. Jetzt wird berichtet, dass er während seiner letzten Reise, aus Kuwait, bei BILD-Chefredakteur Kai Diekmann interveniert habe, um die Veröffentlichung der Umstände seines Hauskredits noch zu verhindern.

Das rauscht heute durch den Medienwald, nur BILD selbst hält sich zurück. Zumindest in der Online-Ausgabe ist nichts davon zu lesen. Weiterlesen

Die vierte Macht im Staat – ein Placebo


Die Presse, oft als vierte Macht im Staat bezeichnet, hat unter anderem die Aufgabe, Politik zu kontrollieren. Wenn man die Kampagne gegen Bundespräsident Wulff betrachtet, könnte man fast meinen, die Presse nimmt diese Aufgabe auch ernst.

Nur, warum trifft es gerade jetzt Christian Wulff? Der „Fauxpas“, der die Hetzjagd ausgelöst hat, liegt weit über ein Jahr zurück. Wer glaubt denn, die persönlichen Verbindungen von Wulff seien der Presse nicht schon längst bekannt gewesen?

Warum trifft es nicht andere Politiker, die viel näher an Entscheidungen dran sind? Haben die keinen Dreck am Stecken? Ist Wulff die unrühmliche Ausnahme im Politikbetrieb oder eher die Regel?

Es ist schon erstaunlich, mit welcher Akribie jetzt Details in der Causa Wulff zutage gefördert werden. Weiterlesen

Wulff hat seine Chance vertan


Gestern hatte ich Christian Wulff noch eine kleine Chance zugebilligt, ungeschoren und als Bundespräsident aus der Hauskredit-Affäre heraus zu kommen. Diese Chance hat er nun vertan.

Wulff sagte gestern gegenüber MDR Info, das Wesentliche in seinem Amt sei, „dass man die Dinge bewertet, beurteilt und dann dazu steht und dann auch unterscheidet, wo ist etwas real und wo ist etwas mit sehr viel Staub aufwirbeln verbunden“. Das müsse voneinander getrennt werden. „Man muss selber wissen, was man macht und das muss man verantworten. Und das kann ich.“

Schon längst geht es nur noch vordergründig um die Umstände des Hauskredites. Weiterlesen