Hackfleisch-Schummelei


Hackfleisch ist die meist verkaufte Fleischart in Deutschland. Gleichzeitig liegt fettarme Ernährung im Trend. Da musste die Fleisch-Inddustrie wohl reagieren und ein fett reduziertes Hack anbieten. Normales Hackfleisch hat einen Fettanteil von etwa 18%. Die einfachste Art fett ärmeres Hackfleisch herzustellen wäre ja, einfach fett ärmeres Fleisch durch den Wolf zu jagen. Das wirft aber das Problem auf, dass dieses Fleisch dann auch teurer wäre. Man müsste dann auch das Hackfleisch auch teurer verkaufen. Das lässt sich auf den deutschen Lebensmittelmarkt vielleicht nicht durchsetzen. Vielleicht wollen die Lebensmittel-Hersteller aber auch nur einfach mehr Geld verdienen und haben sich deshalb eine andere Methode einfallen lassen, ein Hackfleisch mit weniger Fettanteil anzubieten. Gut, nach dieser Methode kann man das Produkt nicht mehr „Hackfleisch“ nennen sondern muss es als „Hackfleisch-Zubereitung“ deklarieren. Wenn das Produkt aber aussieht wie normales Hack, dann fällt das doch gar nicht mehr auf.

Wie wird diese Hackfleisch-Zubereitung nun hergestellt? Ganz einfach, man streckt das ganz normale Hackfleisch mit 30% Mehl-Wasser-Pampe. Damit das Gemisch dann nicht so blass aussieht, gibt man noch etwas Rote-Beete-Saft dazu. Danach kommt das ganze nochmal durch den Wolf und Schwupps sieht das aus wie ganz normales Hackfleisch. Der große Vorteil ist, dass diese Mehl-Wasser-Pampe so gut wie nichts kostet. Man verkauft das Zeug aber zu einem Preis, der nur wenige Cent unter dem Preis von Hackfleisch liegt. Damit hat man an dieser Zubereitung einen Gewinnvorteil von fast 30% gegenüber purem Hackfleisch.

Screenshot vion.com

Screenshot vion.com

Beworben wird das Ganze dann damit, dass es 30% weniger Fett und Cholesterin enthält. Vorgeblich also etwas gesundes. Jedoch nimmt der Kunde mit dieser Mehl-Wasser-Pampe ernährungstechnisch vollkommen nutzlose Kohlehydrate auf. Damit relativiert sich der Gesundheitsvorteil schon deutlich. Das sagt einem der Lebensmittelhersteller natürlich nicht.

Diese „Zubereitung“ findet man bei den meisten Discountern und auch in den Selbstbedienungstheken vieler Marken-Supermärkte. Selbst wenn diese mit dem Slogan werben „Wir lieben Lebensmittel“.

Foodwach hat sich bei Netto wegen dieses Produktes beschwert, ich habe bei EDEKA nachgefragt, was sie zu dieser Hackfleisch-Zubereitung zu sagen haben. Die Reaktion von Netto kann man auf den Foodwach-Seiten nachlesen. EDEKA hat erst mal nicht selbst Stellung bezogen zu meiner Anfrage. Sie haben die Anfrage an den Hersteller dieses Zeugs weiter geleitet und dieser hat mir dann sein Werbe-Blabla zugemailt:

Sehr geehrter Herr …,

unser Kunde, die Edeka Rasting leitete ihre Rückmeldung an unser Haus, den Produzenten des von ihnen beanstandeten Artikels weiter.

Vielen Dank für Ihre Mail und der damit verbundenen Gelegenheit, uns zu Ihrem Anliegen zu äußern.

Bei dem betreffenden Artikel „Hack Plus Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß“ handelt es sich, wie auf der Produktverpackung deklariert, um eine Fleischzubereitung und kein reines Hackfleisch.

Die Rezeptur des Hack Plus Artikels wurde für Kunden entwickelt, die sich bewusster und ausgewogener ernähren wollen, ohne jedoch auf den Geschmack und die Eigenschaften von herkömmlichem Hackfleisch zu verzichten. Dafür wurde herkömmliches Hackfleisch mit wertvollem pflanzlichem Eiweiß in Form von Weizenprotein kombiniert.

Im Vergleich zu herkömmlichem Hackfleisch aus dem Selbstbedienungsregal wird mit dem Artikel „Hack Plus – Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß“ eine Alternative mit pflanzlichem Eiweiß und somit mit einem geringerem Fett- und Cholesterinanteil angeboten.

Hinsichtlich der Aussage „30 Prozent weniger Fett“ wurde als Vergleichsprodukt verpacktes, im Selbstbedienungs-Bereich angebotenes Hackfleisch herangezogen, bei welchem der überwiegende, branchenübliche Anteil mit 18g Fett angeboten wird. Der Fettanteil von Hackfleisch aus Bedientheken schwankt und konnte entsprechend nicht für einen Vergleich herangezogen werden.

Wir hoffen, Ihnen mit dieser Antwort weitergeholfen zu haben und würden uns sehr freuen, Sie bald wieder als zufriedenen Kunden bei uns begrüßen zu dürfen.

Mit freundlichen Grüßen

Kind regards

[Name]

Qualitätsmanagement / Fachkraft für Arbeitssicherheit

VION Convenience GmbH

Ich wollte mich mit dieser Antwort nicht zufrieden geben und habe EDEKA nochmal direkt angeschrieben:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich hatte Ihnen eine Anfrage im Bezug auf das Produkt „Hack Plus Zubereitung aus Hackfleisch gemischt mit pflanzlichem Eiweiß“ geschickt. Neben einer allgemeinen Kritik des Produktes habe ich sie gebeten, zu überdenken, dieses Produkt wieder aus ihrem Sortiment zu nehmen.

Statt selbst Stellung zu nehmen, haben sie meine Anfrage an den Hersteller des Produktes geschickt, der mir jetzt mit allgemeinem Werbe-Blabla geantwortet hat.

Wenn ich eine Stellungnahme von der Firma VION gewollt hätte, hätte ich mich an diese selbst gewendet. Ich will eine Stellungnahme von EDEKA! Deshalb hatte ich Ihnen geschrieben.

Um mein Anliegen noch einmal zu verdeutlichen: Sie verkaufen mit diesem Produkt nicht mehr – aber auch nicht weniger – als gestrecktes Hackfleisch zu einem Preis, der nah an dem Preis von purem Hackfleisch liegt. Was auf der Vorderseite als „Zubereitung“ deklariert wird, entpuppt sich als Mischung von Hackfleisch und Mehl, gefärbt mit Rote-Beete-Saft. Und zwar mit 30% Mehl-Wasser-Saft-Anteil.

Wenn Sie gestreckte Lebensmittel unter dem Deckmantel einer gesünderen Ernährung verkaufen, bekommt Ihr Slogan „Wir lieben Lebensmittel“ eine eindeutig ironische Note.

Ich möchte wissen, was sich EDEKA dabei denkt, die Verbraucher mit diesem überteuerten Produkt hinters Licht zu führen. Dazu bitte ich um eine Stellungnahme Ihrer Vorstandsmitglieder Markus Mosa, Gert Schambach, Dr. Reinhard Schütte.

Mit freundlichen Grüßen

Eine Antwort von EDEKA steht bisher noch aus. Ich werde, wenn EDEKA mir antwortet, hier darüber berichten.

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2 Gedanken zu „Hackfleisch-Schummelei

  1. Dieses Thema (wie verdient mit sclechten Lebensmitteln viel Geld) wäre beinahe unerschöpflich, selbst wenn man jeden Tage eine Folge schreibt.

    IN diesem speziellen Fall allerdings istes mir herzlich egal, denn wie ich seit langem sage: Wer Hackfleisch einkauft, dass nicht in seinem Beisein durchgedreht wurde, kann mir nicht leid tun.

    • Du hast recht, eigentlich müsste man jeden Tag eine Folge schreiben. In diesem Fall betrifft es mich auch nicht selbst, ich halte die Sache jedoch für ein besonders dreistes Vorgehen.

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