Urheberrechte doppelt und dreifach bezahlen?


So! Ich setze mich jetzt mal voll in die Nesseln.

Momentan wird das Urheber- und Leistungsschutzrecht neu überdacht und es wird auch in vielen Blogs besprochen. Es ist ein schwieriges Thema und nicht Viele können von sich behaupten, die Materie wirklich gut zu verstehen. Jedenfalls verstecken die Zeitungsverlage ihren Sachverstand sehr gut. Sie vermischen sehr gerne Urheberrechte und Leistungsschutz um zu belegen, dass sie im Internet ständig „bestohlen“ werden. Wenn die Verlage darüber klagen, dass ihnen Einnahmen entgehen, weil im Internet unberechtigt Artikel von Ihren Seiten kopiert werden, dann erheben sie sich in den Rang des Urhebers der Artikel, was sie natürlich nicht sind. Sie wollen für die Verbreitung der Artikel bezahlt werden, aber den Urhebern – den Autoren der Artikel – nichts davon abgeben. Wer ist denn hier der Räuber im Internet?

Als Mitglied der von den Verlagen ausgemachten „Diebesbande“ – als Blogger – muss ich mich entschieden gegen eine weitere Urheberrechtsabgabe, wie sie wohl in Planung ist, verwehren. Mit den bestehenden Urheberrechtsabgaben sind doch schon alle Käufer von sogenannten „neuen Medien“ unter Generalverdacht gestellt, sich illegal zu bedienen. Und die Rechte, Werke zu kopieren und zu verbreiten sind damit schon bezahlt.

Wie ich darauf komme? Ganz einfach. Wir bezahlen schon lange Urheberrechtsabgaben an die GEMA, an die VG Wort und andere Urheberrechtsverwerter. Jedes Gerät, mit dem kopiert und auf das kopiert werden kann, hat im Kaufpreis einen solchen Urheberrechtsaufschlag. Um die Einnahmen daraus machen die Verwerter kein großes Bohei. Es könnte den Verbrauchern ja auffallen. Wenn wir alleine sehen, dass auf jedem Smartphone eine Abgabe von 36 Euro liegt, die an die Urheberrechtsverwerter geht, dann ist das schon mal ein erklecklicher Betrag. Bei 11 Millionen verkauften Smartphones im letzten Jahr, macht das die schöne Summe von rund 400 Millionen Euro. Dazu kommen dann noch die Erlöse aus den Abgaben aus anderen Handys, Druckern, Kopiergeräten, CD- und DVD-Rohlingen, Festplatten, USB-Sticks und so weiter und so fort. Das heißt, wir bezahlen schon hohe Summen dafür, dass wir immer noch keine Kopien von urheberrechtsgeschützten Werken machen dürfen. Jetzt sollen wir nochmal draufzahlen?

Ich stelle mich mal ganz frech auf den Standpunkt, dass alle Urheberrechte im Internet zumindest in Deutschland schon abgegolten sind und dass Blogger automatisch Tantiemen von den Verwertungsgesellschaften erhalten müssten. Sind meine Texte denn weniger wert, als die Schmierereien eines BILD-Autoren oder als die Ergüsse eines „Experten“, der sich seine Meinung schon von einem Lobbyverband hat abkaufen lassen?

Wenn jetzt noch eine zusätzliche Urheberrechtsabgabe kommen soll, dann will ich aber auch wirklich das explizite Recht in Gesetzesform gegossen haben, dass ich jedes im Internet verfügbare Werk nutzen darf, wie ich es will, dass ich als Blogger Mitglied bei Verwertungsgesellschaften werden darf und dass ich von ihnen dann mit Tantiemen bedacht werde.

Nicht, dass solche Gesetze gut heißen würde. Mir geht es nur darum, dass den unverschämten Forderungen auch entsprechende Rechte gegenüber stehen müssen.

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5 Gedanken zu „Urheberrechte doppelt und dreifach bezahlen?

  1. Das ist ein so guter Artikel, dass ich dazu gar keinen mehr schreiben muss. *high 5*

    Kunst jeder Art hat es vor den Urheberrrechten gegeben und es wird sie nach den Urherberrechten geben. Niemand, der ein Stück komponieren, ein Bild malen oder einen Text schreiben will, wird sich davon abhalten lassen, genau dies zu tun, wenn es keine Verwertungsrechte mehr gib. Darum muss einem also nicht bange sein. Die Kunst wird nicht leiden.

    Es kann allerdings sein, dass der Künstler dafür keine wirtschaftliche Entlohnung sieht. Dann sollten wir dafür sorgen, dass er sie nicht braucht (Stichwort Bandbreitenmodell) – und danach die Urheberrechte komplett abschaffen. Mir würden sie nicht fehlen. DerVorteil der unbeschränkten Verbreitung ist grösser.

  2. Zudem geht es mir im Moment auf die Nerven, wenn vor allem bei Literatur im Moment so schnell mit dem Plagiatsvorwurf geschossen wird. Kunst ist meistens, wenn nicht sogar immer ‚intertextuell‘, doch das scheinen diese ‚Kritiker‘ nicht zu verstehen. Das ist bei Kracht ebenso wie bei Esterházy: Sie nutzen teilweise schon gegebenes Textmaterial, doch die neue Komposition und Einflechtung in andere Rahmen macht es zu neuer Kunst.

    Uhupardo schreibt: „Kunst jeder Art hat es vor den Urheberrrechten gegeben und es wird sie nach den Urherberrechten geben.“ und da pflichte ich unbedingt zu. Denn schon vor der Erfindung der Urheberrechte wurde Kunst gemacht und auch da hat man auch oft Teile und Ideen kopiert und neu komponiert, ohne dass es jemandem zum Schaden gereicht hätte.
    Die Idee des Urheberrechts ist zu einem Zeitpunkt aufgekommen, als die Literatur nicht nur einen Markt bediente bzw. einen Markt hatte, sondern als der literarische Markt, wie andere Lebensbereiche, total ökonomisiert worden war.

    Bei uns an der Uni hing mal ein Plakat zum auf dem ein Bild Magrittes zu sehen war (der Mann mit der ‚Melone‘ auf dem Kopf) und anstelle des Gesichts war ein Fussball zu sehen, drunter stand: Hätte Magritte das gewollt? — Ich antworte: Mir egal.
    Wenn ich ein Bild Magrittes verwende und es abändere, um damit etwas auszudrücken oder weil es mir mit der Neuerung besser gefällt, so what? Goethe hat den Dr. Faust-Stoff (und all die anderen Stoffe) auch nicht erfunden…

  3. Die Verlage haben immer noch kein wirklich tragfähiges Konzept entwickelt, mit dem sie das Internet als Geschäftsmodell nutzen können, Würden sie so viel Energie in die Entwicklung eines Konzeptes stecken wie sie darauf verwenden, gegen die „Raubkopierer“ zu polemisieren, hätten sie schon eines. Aber sie wählen eben lieber den vermeintlich einfacheren Weg, alle Internet-Nutzer erst einmal zu verdächtigen und ihnen deshalb dann eine neue Gebühr aufbrummen zu wollen.

  4. Ähnlich sieht es ja auch bei der Film- und Musikindustrie aus: Zuerst verschlafen sie die Entwicklungen und dann starten sie große (Werbe-)Kampagnen gegen Raubkopierer und drohen mit höchsten Geldstrafen und in einem Spot sogar mit dem Gefängnis.
    Die Musiker sind aber — glaube ich — zumindest auf dem besten Wege neue Konzepte aufzustellen.

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