Essen oder Fressen?


Was haben Ilse Aigner (CSU), „Lafer, Lichter. Lecker“ (ZDF) und „Koyamas Menü“ (arte) gemeinsam? Auf den ersten Blick rein gar nichts. Aigner, mit ihrer Pressekonferenz zur Lebensmittelverschwendung und „Lafer, Lichter, Lecker“ könnte man noch unter der Rubrik „Klamauk“ zusammenfassen. Wenn man jedoch „Koyamas Menü“ anschaut, kann sich der Blick erweitern und dann passt alles zusammen.

Koyamas Menü ist vordergründig die filmische Beschreibung eines klassischen japanischen Menüs, das aus sehr vielen kleinen Spezialitäten besteht. Was aber dahinter steckt, ist eine ungeheure Erfahrung des Kochs und seine hohe Achtung vor den Zutaten des Menüs, den Menschen, die diese bereitstellen und vor allen Dingen, die mit diesem Menü zusammenhängen. Der Bauer, der die Gemüse züchtet, der Fischer, der den Fisch fängt, ja sogar der alte Herr, der die Essstäbchen herstellt, sie alle tragen mit ihrer Arbeit dazu bei, dass dieses Menü gelingen kann. Ohne deren Sorgfalt und Achtung vor der Natur muss das Menü misslingen. Alle Mühe dieser Menschen ist jedoch vergebens, wenn dann in der Küche den Produkten nicht auch höchste Achtung entgegengebracht wird. Jede Zutat muss so zubereitet werden, dass sie ihren eigenen Geschmack optimal entfalten kann und dass sie ideal mit den anderen Zutaten harmoniert. Man muss es gesehen haben, um die Komplexität des Zusammenspiels all dieser Zutaten auch nur erahnen zu können. Was hier zelebriert wird, ist kein reines Kochen mehr, es ist zur höchsten Vollendung gebrachte Kunst.

Bei „Lafer, Lichter, Lecker“ sehen wir die Antipoden der sogenannten deutschen Spitzenküche. Lichter ist dabei der Mann fürs Grobe und Lafer der Künstler. Wenn man Johann Lafer zusieht, kann man auch bei ihm die hohe Achtung vor den Zutaten sehen.

In der Pressekonferenz von Ilse Aigner haben wir dagegen von der Geringschätzung von Lebensmitteln gehört. Sie können so billig produziert werden, dass man sie auch gedankenlos wegwerfen kann. Würden wir die Lebensmittel als Mittel zum Leben sehen und nicht nur als billige Sattmacher, dann würde unser Umgang mit Allem, was wir zu unserer Ernährung brauchen, ein Anderer sein.

Aus den drei so unterschiedlichen und scheinbar zusammenhanglosen Sachen kann man jedoch eine gemeinsame Lehre ziehen. Unsere Nahrungsmittel sind mehr wert, als das bisschen Geld, das wir dafür bezahlen. Sie transportieren alles, was während ihrer Entstehung passiert, ob Gut oder Schlecht, auf direktem Wege zu uns, in unseren Körper. Nur der sorgsame Umgang mit Lebensmitteln kann letztendlich auch gut für uns sein.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s