Der Gutmensch Nicolas Berggruen


Als er sich 2010 darum bemühte, den maroden Karstadt-Konzern zu erwerben, war er everybody’s darling. Nicolas Berggruen wurde so dargestellt, als würde er sich den Karstadt-Konzern aus reiner Menschenliebe ans Bein binden. Es war das Duell Gutmensch gegen Heuschrecke.

Dass Nicolas Berggruen sich so etwas wie die Karstadt-Rettung nicht aus reiner Nächstenliebe antut, das hätte man sich schon damals denken können, Aber das Bild vom Gutmenschen Berggruen war einfach zu schön um es mit Misstrauen zu trüben.

Jetzt hat das ZDF eine Reportage über den Karstadt-Retter ausgestrahlt. Ich war zuerst sehr skeptisch ob ich das überhaupt anschauen sollte. Ich habe dann doch angefangen zu schauen und bin dann gespannt drangeblieben. Das politische networking von Finanzinvestoren (Schröder inbegriffen), die Mechanismen der Steuervermeidung und die gesellschaftlichen Folgen von Fehlinvestitionen werden ebenso herausgearbeitet wie die Intransparenz des Geschäftsgebarens gegenüber Mitarbeitern und Öffentlichkeit. Eines der selten gewordenen rühmenswerten Beispiele für investigativen Journalismus unserer Öffentlich-Rechtlichen. Unbedingt ansehen, bevor es aus der Mediathek wieder verschwindet.

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5 Gedanken zu „Der Gutmensch Nicolas Berggruen

  1. Danke für den Tipp, das werde ich mir heute noch ansehen!

    (Eine Bitte: Ich wäre sehr dankbar, wenn der Nazi-Begriff „Gutmensch“ überhaupt keine Verwendung fände, egal in welchem Zusammenhang.)

    • Wenn es endlich auch mal gute Reportagen im Fernsehen gibt, dann geb ich das gerne weiter. Wie schon gesagt, ich war nach den Vorankündigungen sehr skeptisch, habe die Sendung dann aber mit sehr viel Interesse geschaut.
      Es ist offenbar nicht klar, ob der Begriff“Gutmensch“ tatsächlich seinen Ursprung in der Nazi-Zeit hat. Ich zitiere aus der Wikipedia: „Die Gesellschaft für deutsche Sprache gibt als erste ihr bekannte Fundstelle des Begriffes eine Ausgabe des englischsprachigen Forbes Magazine aus dem Jahr 1985 an, in der Franz Steinkühler, damals zweiter Vorsitzender der IG Metall, so bezeichnet wurde.
      Der Deutsche Journalisten-Verband vermutet in Zusammenarbeit mit Sprachforschern des Duisburger Instituts für Sprach- und Sozialforschung die Herkunft des Begriffes in der Zeit des Nationalsozialismus. Demnach soll die Bezeichnung „Gutmensch“ bereits für die Anhänger von Kardinal Graf von Galen verwendet worden sein, die gegen die Ermordung Behinderter in der NS-Zeit auftraten. „Gutmensch“ sei eine Ableitung vom jiddischen „a gutt Mensch“.“

  2. Ich kann es auch nur anregen, weil ich meine, dass es genug Gründe gibt.

    „Der Begriff Gutmensch wird für Personen verwendet, die humanistische, altruistische, auch religiös-mitmenschliche Lebensziele und Argumente höher einschätzen als utilitaristische und ihr Handeln, Ihre Politik, ihr Leben danach ausrichten.
    Der Begriff soll vor allem Geringschätzigkeit und Zynismus sowie die rationale Überlegenheit des eigenen Standpunktes ausdrücken. Dem Gutmenschen wird Naivität, Realitätsferne und Gefühlsduselei unterstellt, er hat nach Meinung seiner Gegner in seinem Tun keinerlei Bezug zur harten Wirklichkeit . Der Begriff Gutmensch ist seit den 80er Jahren ein beliebtes Modewort, er dient als Stempel, mit dem jede weitere Diskussion leicht beendet wird.

    Semantische Bedeutung und Geschichte von Gutmensch :
    Die Behauptung, der Begriff Gutmensch sei von Friedrich Nietzsche geprägt worden, ist sehr umstritten. Erstmals findet sich das Wort als Bezeichnung für die Anhänger von Kardinal Graf Galen, der gegen die Vernichtung lebensunwerten Lebens , also die Tötung körperlich und geistig Behinderter durch die Nationalsozialisten (schließlich mit Erfolg) gekämpft haben. Nicht klar ist, ob der Begriff von Josef Göbbels oder Redakteuren des Stürmer 1941 ersonnen worden ist. Gutmensch geht auf das jiddische a gutt Mensch zurück, womit von den Nationalsozialisten auch ein Bezug zu den lebensunwerten Juden hergestellt werden sollte.
    Adolf Hitler hat in seinen Reden und in Mein Kampf ebenfalls die Vorsilbe gut als abwertend
    verwendet. So sind für ihn gutmeinende und gutmütige Menschen diejenigen, die den
    Feinden des deutschen Volkes in die Hände spielen.“

    (aus dem „Memorandum Initiative Journalisten gegen Rassismus vom 27. März 2006) „

  3. Pingback: Die Mittelmäßigkeit von Geschäftsleuten « dmhdf – das Blog der Mittelmäßigkeit

  4. Leider war es alles andere als guter Journalismus.
    Und wenn es guter Journalismus war, muss ich eingeschlafen sein, denn ich habe tatsächlich nichts davon mitbekommen.
    Wir alle haben uns (urinstinkt des Menschen) sehr gewünscht, dass Nicolas Berggruen der Retter auf dem Schimmel ist und dieses nur aus der Mildtat heraus ausübt.
    War uns trotdem nicht schon damals klar, dass das alleine aufgrund seiner Milliarden möglich sein kann?
    Kein Mensch verdient so viel Geld indem er nur Gutes tut. Es gibt dazu sogar eine Studie, ab welchem Finanzvolumen die Geschäfte nicht mehr astrein laufen dürften.
    Ich fand dass die Journalisten eine wunderbare Chance vertan haben um Herrn Berggruen die richtigen Fragen mit der richtigen Intensität und Überzeugung zu stellen.
    Es war durchweg die Rede von irgendwelchen kritischen Fragen, ich für meinen Teil habe keine einzige kritische Frage gehört. Jeder Idiot hätt herausbekommen können, dass Karstadt unter BH II und III geführt wird.
    Das vermeintliche Stottern und ins stocken geraten des Herrn Berggruen beziehe ich nicht auf die unbequemlichkeit der Fragen sondern auf seine Unsicherheit im deutschen Sprachgebrauch. Wenn man sich Interwievs von früher mit ihm ansieht, wird einem das sehr schnell klar. Zudem wollen die Journalisten Berggruen als dekadent lebenden Milliardär darstellen und zeigen seinen Privatjet. Da hätte ich doch lieber etwas besser recherchiert und die Geschenke, welche er an seinen jährlichen VOROSCAR Party an seine weiblichen Gäste verteilt gezeigt. Im Internet gibt es Aufnahmen von DIamanten Armreifen für die Dame.
    Das ist dekadent.
    Dennoch gebe ich meinen Glauben nicht auf und vergleiche Berggruen mit dem Rest von Investoren. Er berührt die Menschen und hat die Gabe Hoffnungen in ihnen zu wecken. Ich glaube daran, dass er diese Menschen nicht enttäuschen wird. Man darf nur die Ansprüche nicht in den Himmel schrauben. Er ist nicht der Messias, aber ein symphatischer Invesor der sich noch machen dürfte.

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