Lebensmittelverschwendung eine Subvention?


Ilse Aigner wettert heute gegen Lebensmittelverschwendung. 11 Millionen Tonnen Lebensmittel sollen laut der Landwirtschaftsministerin jährlich weggeworfen werden. Um das zu verdeutlichen lässt Aigner vor unserem geistigen Auge eine Karawane von 275000 Sattelzügen vorbeiziehen. Nun sucht das Ministerium nach Möglichkeiten diese Lebensmittelverschwendung zu begrenzen. In den Augen vieler Menschen ein löbliches Vorhaben. Ist man doch so erzogen worden, mit Lebensmitteln sorgsam umzugehen. Deshalb ist es mir auch nicht so direkt klar, dass diese gigantische Verschwendung zu zwei Dritteln an den Verbrauchern liegen soll. Ich kann nur von unserem Haushalt ausgehen, da wird wirklich kaum mal ein Lebensmittel weggeworfen.

Ich habe aber vor nicht allzu langer Zeit einen Bericht gesehen, wo unter anderem gezeigt wurde, dass Bäckereien so viel Brot produzieren, dass auch kurz vor Ladenschluss noch eine gute Auswahl an Broten in den Regalen liegt, die dann natürlich nicht mehr vollständig abverkauft werden kann. Ich glaube, mich zu erinnern, dass die Überproduktion bei etwa 30% liegen soll. Manche Bäckereien heizen mit dem überschüssigen Brot ihre Backöfen.

Mir ist auch nicht verständlich, dass jeder Deutsche vom Säugling bis zum Greis jährlich vermeidbare Lebensmittelabfälle im Wert von 260 Euro produziert. So schlecht wirtschaften wir doch nicht.

Andererseits würde bei konsequenter Vermeidung der Lebensmittelabfälle dem Handel, der Gastronomie und der Landwirtschaft ein Umsatzeinbruch in Höhe von fast 22 Milliarden Euro beschert. Das würde den Wegfall einer großen Anzahl von Arbeitsplätzen bedeuten. So gesehen sichert jeder weggeworfene Apfel Arbeitsplätze.

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5 Gedanken zu „Lebensmittelverschwendung eine Subvention?

  1. Ich wollte tippen … doch derletzte Absatz des Artikels macht es fast überflüssig. Grossartig!

    Wenn bekannt würde, wieviel Brot allein in jedem einzelnen Supermarkt jeden Abend weggeworfen wird, würden einige Leute mehr über dieses Thema reden.

    Das Problem: Von einer Tonne Brot, die in Deutschland nicht weggeworfen wird, dürfte kein einziger Afrikaner satt werden. Nie. Deswegen ist diese Diskussion zwar wichtig, aber auch zu einem guten Teil Alibi-Diskussion, um das Gewissen zu beruhigen.

  2. Du hast recht, es ist eine Alibi-Diskussion. Manche Minister müssen solche Diskussionen als Arbeitsnachweis vom Zaun brechen.
    Der größte Anteil an den weggeworfenen Lebensmitteln soll ja Ost und Gemüse betreffen, wenn wir da konsequent alles nicht mehr kaufen würden, als wir wirklich benötigen, würde es wohl auch in Spanien zu Problemen führen.

  3. Das ist auch ein interessanter Gedanke, den hab ich übersehen. Aber ich glaube, es geht hierbei darum, die Kennzeichnung des Mindesthaltbarkeitsdatums abzuschaffen. Das ist das eigentliche Ziel, das verfolgt wird.
    Ob die Aigner wohl weiß, dass Botox = Botulinumtoxin aus verdorbenen Lebensmitteln hergestellt wird?

  4. Im Zusammenhang mit dieser Studie wird zwar über das MHD gesprochen, aber ich sehe nicht, dass es abgeschafft werden soll. Es ist doch immerhin eine Kennzeichnung zum Schutz der Hersteller. Vielleicht will man es modifizieren, so dass es nicht mehr mit einem genauen Datum aufgedruckt werden muss. Das könnte eine Folge dieser Studie sein.

  5. Pingback: Essen oder Fressen? « W.M.S.E.

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