Stimmungsmache gegen Griechenland


Der Leiter des Wirtschaftsressorts beim „Focus“, Uli Dönch, hat wohl zu viel BILD-Zeitung gelesen. Es kann aber auch sein, dass er der Kanzlerin einen Gefallen tun will. Vielleicht hat Dönch aber auch nur in seinem Volkswirtschaftsstudium nicht alles mitbekommen.

Mit seinem Artikel „Griechenland hat sein Recht auf Souveränität verwirkt“ heizt er die Negativ-Stimmung gegen Griechenland noch weiter an und suggeriert, dass die unfähigen Griechen mutwillig unser sauer verdientes Geld verpulvern. Dabei kommt Dönch noch nicht einmal auf die Idee, dass die Maßnahmen zur Rettung Griechenlands nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Nein, seiner Meinung nach hat die EU nun endlich richtig erkannt, dass Geld alleine nicht mehr hilft und nur noch ein radikaler Eingriff in die griechische Souveränität Besserung bringen kann. Wenn Griechenland sich nicht helfen lassen will, muss die Hilfe eben zwangsweise erfolgen.

Hellas

Hellas

Egal, was nun der Grund für so einen schwachsinnigen Artikel ist, seine Meinung fügt sich nahtlos in die Riege der Medien ein, die uns weis machen wollen, dass die sogenannten „Rettungsmaßnahmen“ Griechenland wirklich helfen, wenn sie nur richtig umgesetzt werden. Und wer könnte das besser als deutsche Finanzbeamte. Dass reiche Griechen insgesamt 60 Milliarden Euro Steuerschulden angehäuft haben, ist in einer modernen Verwaltung doch gar nicht hinnehmbar. Dabei übersieht Uli Dönch jedoch, dass die ach so moderne deutsche Steuerverwaltung jährlich Steuerhinterziehungen in Höhe von 30 Milliarden Euro zulässt. Egal, an der deutschen Effizienz hat Griechenland nun wohl oder übel zu genesen.

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2 Gedanken zu „Stimmungsmache gegen Griechenland

  1. Hallo bravo56,

    ich lehne die Polemik in diesem Artikel auch ab, würde hier aber durchaus differenzieren wollen.

    Klar ist, hier wird den Banken und einer Ideologie geholfen, die sich (in sich) selbst widersprechen. Die BRD legt hier außenpolitisch ein Verhalten an den Tag, was der Sache nicht dienlich aber der innenpolitischen Lage geschuldet ist. Staaten handeln als egozentrische Akteure, Solidarität gibt es unter ihnen nicht. Alle Interaktionen, die Staaten eingehen dienen ihrem jeweiligen Eigennutz. Wie gut oder schlecht es dem Griechen (realpolitisch gesagt) geht, ist für die Bundesregierung solange irrelevant, wie die Interessen des Staates nicht gefährdet sind.

    Mit diesen Argumenten kann man sich auf Seiten der Griechen schlagen. Es gibt aber auch berechtigt Argumente gegen die Griechen.

    Warum konnte sich ein politisches System etablieren, das eine mangelhafte Verwaltung aufrecht hält? Warum wurden nicht Kräfte gewählt, die das Land politisch und wirtschaftlich reformiert hätten als dies noch möglich gewesen wäre? Warum lies man als Bürger korrupte und ineffiziente Strukturen zu? Ist es nicht Aufgabe des Souveräns seine Souveränität durch eigenes Verhalten zu schützen, was ist, wenn er dieser Aufgabe nicht nachkommt?

    Mir ist vollkommen bewusst, dass Bürger nur einen beschränkten Einfluss auf das politisch-administrative System haben. Dieser Einfluss ist immer noch groß genug, um etwas zu verändern. Die These, man sei eine Marionette irgendwelcher Kräfte, ist nur eine Rechtfertigung für das Nichtstun. Dies ist in Griechenland lange genug passiert.

    Daraus will ich nicht ableiten, dass die Griechen vollständig Schuld an ihrem Schicksal haben, ich will auch nicht ableiten, dass es gerecht ist was den Griechen zur Zeit widerfährt.

    Sie trifft aber durchaus eine gewisse Teilschuld. Es hätte in der Vergangenheit sicher bessere Alternativen gegeben, man hat diesen Weg zu mindestens zu gelassen.

    Zur deutschen Bürokratie: deine Argumentation erinnert mich an den rauchenden Arzt, der seinem Patienten erzählt, rauchen sei gesundheitsschädlich, er solle es aufgeben.

    Subjektiv betrachtet, kann man argumentieren, was will der Arzt denn …
    Objektiv betrachtet, hat der Arzt recht, sein Argument verliert nicht an Geltungskraft, durch seine Lebensweise, sie ist eben unabhängig davon – objektiv.

    Auch wenn es in Deutschland Steuerbetrug gibt, traue ich den Beamten objektive Ratschläge zu. Vorbildliches Handeln schafft Akzeptanz und Legitimität, es ist aber nicht notwendig für „richtiges“ Verhalten. Die Funktionsweise deutscher Steuerämter, deren rechtliche Grundlagen sind unabhängig von der objektiven Betrachtung griechischer Steuerprobleme. Gerade hier können können die Beamten (wenn man es zulässt) losgelöst von Hierarchien und Gesetzen agieren, woran die Griechen also genesen sollen ist mir nicht ganz klar.

    Gruß, David Marien

  2. Mich nervt diese Hetze gegen DIE Griechen auch ziemlich. Zusätzlich bin ich darüber verägert, dass diese ganze Geschichte anscheinend für positive Stimmung gegenüber unserer Bundeskanzlerin sorgt. Sie lässt innenpolitisch alles den Bach runtergehen, spielt außenpolitisch die Starke und bedient das Bild, das an den Stammtischen existiert, von den fleißigen, starken Deutschen gegenüber den faulen, schwachen Griechen. Leider denken immer noch viele – auch wenn sie keine Neonazis oder Nationalisten sind – in eben diesen Kategorien: DIE Griechen müssen jetzt was machen, WIR schicken denen so viel Geld.

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