Polizeiarbeit im Internet-Zeitalter


Meine Kenntnis der Arbeitsweise der Polizei habe ich vor Allem aus dem regelmäßigen Konsum der Tatort-Krimis. Nun hatte ich mich doch einmal bei der Kripo gemeldet und musste erleben, dass die Polizei doch auch anders kann als in den Tatorten.

Ich hatte ja vor gut einer Woche eine Mail mit einem ominösen Stellenangebot bekommen (siehe hier). Vordergründig ging es darum, Ware anzunehmen, umzupacken und weiter zu verschicken. Tatsächlich verbirgt sich hinter dieser Masche ein Betrug mit Kreditkartendaten und wenn man den Job annimmt kann man zumindest der Hehlerei angeklagt werden. Das ist also kein Spass. Da ich eben nicht blauuäugig auf das „Stellenangebot“ hereingefallen bin und da ich wusste, dass es in Düsseldorf einen echten Fall in dieser Art gibt (und ich nehme an, es ist nicht der einzige in Deutschland), hatte ich bei der hiesigen Polizei angerufen und ihnen gesagt, dass ich eben diese Mail erhalten habe, die zu dem Düsseldorfer Fall passt. Ich war so naiv zu glauben, die Kriminalpolizei würde sich dafür interessieren, wer diesen Betrug weiter betreibt. 10 (in Worten: zehn) Tage später ruft mich die Kripo an, um mir zu sagen, dass sie nichts machen, weil es sich bei der Mail höchstens um eine Vorbereitungshandlung handelt und hier in unserer Stadt keine solche Straftat anhängig ist. Außerdem würde die in der Mail angegebene E-Mail-Kontaktadresse nach Großbritannien verweisen, da käme man als deutsche Polizei sowieso nicht ran. Ich könne ihnen jedoch die Mail, die ich erhalten habe, ausgedruckt per Post zuschicken. Sie würden das an die hiesige Staatsanwaltschaft geben. Die würde das aber aus den genannten Gründen nicht weiter verfolgen.

Das ist für mich ein klarer Fall von „Steinzeit meets Internet“. E-Mails ausdrucken und per Post weiterschicken lassen, sich auf eine Mailadresse beziehen, wo doch die IP-Adresse der richtige Ansatz wäre (und meinem Nachbarn gehören könnte, auch wenn die Mailadresse mit .uk endet) und bei Straftaten im Internet 10 Tage zu warten, bis man was tut, sind für mich Hinweise genug, dass die Polizei immer noch nicht im Internet-Zeitalter angekommen ist.

Immerhin habe ich jetzt eine Vorstellung davon, was die Politiker meinen, wenn sie davon reden, das Internet sei ein rechtsfreier Raum. Rechtsfrei ist ein Raum nämlich nicht nur dann, wenn es da keine Gesetze gibt, sondern auch dann, wenn die bestehenden Gesetze nicht durchgesetzt werden.

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Ein Gedanke zu „Polizeiarbeit im Internet-Zeitalter

  1. Hallo Bravo56,

    interessanter Erfahrungsbericht. Gut, dass du mit sowas zur Polizei gehst, auch wenn die Erfolgsaussicht eher weniger rosig sein werden.

    Aber wie hieß noch gleich der Spruch: wer kämpft, der kann verlieren. Wer nicht kämpft hat schon verloren!

    Gruß, David

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