Das griechische Rätsel


Muss ich das verstehen? Immer wenn irgendeine Rating-Agentur auch nur mit dem Auge zwinkert, waren die Medien voll von den Nachrichten. Es gab Spekulationen, was das zu bedeuten hat und welche Auswirkungen das auf die Märkte haben könnte. Alle Politiker drängten sich vor die Mikrofone zeigten Zuversicht und redeten den Märkten Mut zu. Das war ein schon lieb gewonnenes gewohntes Ritual nach EU-Gipfeln, die wieder mal die Rettung Griechenlands zum Ziel hatten.

Und heute? Die EU hatte doch gerade das Rettungspaket verabschiedet und Griechenland zusätzliche 130 Milliarden zugesagt. Die Bedingung des Schuldenschnitts hat Griechenland auch so gut wie in trockenen Tüchern. Alles sah nach eitel Sonnenschein aus. Bis heute früh die Nachricht kam, dass die Rating-Abentur Fitch Griechenland aufgrund des Schuldenschnitts auf nur noch C herabstuft. Das bedeutet, dass ein Staatsbankrott für unausweichlich gehalten wird.

Und wie reagieren Politiker und Medien? Die Politiker steigen in die Bütt und die Medien spulen ihre Aschermittwochs-Berichterstattung routinemäßig ab. Business as usual also. Hat man sich etwa besonnen, die Fitches und Moody’s dieser Welt endlich zu ignorieren? Oder erwartet man in der EU gar nicht mehr, dass die Rettungspakete Griechenland retten werden?

Griechenland hatte 2010 einen Schuldenstand von etwa 328 Milliarden Euro. Im selben Jahr wurde ein Rettungspaket über 110 Milliarden Euro beschlossen. 2011 war der Schuldenstand Griechenlands auf über 350 Milliarden angewachsen. Es wurde ein zweites Hilfspaket in Höhe von insgesamt 109 Milliarden Euro beschlossen. Jetzt in 2012 wurde ein drittes Hilfspaket in Höhe von 130 Milliarden Euro beschlossen. Hilfspakete im Wert von 349 Milliarden Euro, dazu ein Schuldenschnitt in Höhe von 107 Milliarden ergeben, wenn ich richtig rechnen kann, 456 Milliarden. Das ist deutlich mehr als der gesamte Schuldenstand des Landes. Von den griechischen Sparpaketen will ich gar nicht reden. Und das soll nicht ausreichen um den Bankrott abzuwenden? Auch wenn die Gelder zum Teil erst in den nächsten Jahren fließen sollen, müsste die Bonität Griechenlands doch glänzend sein. Wohin versickert das ganze Geld? Kann mir das mal jemand erklären?

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3 Gedanken zu „Das griechische Rätsel

  1. Das ganze ist nur eine Farce, die dazu dient, die Banken zu stützen. Von jedem Euro, der den Griechen überwiesen wird, bleiben nur 19% im Land. Der Rest dient der Tilgung der Schulden und der Zinszahlung. Dies ist ein gigantischer Geldtransfer – von Deiner Tasche in die Tasche der Banker und einer kleinen Elite in Griechenland. Das griechische Theater dient der Ablenkung. Und noch ein weiterer Vermögenstransfer, für alle diejenigen, die Ersparnisse oder Aktien haben: Jede Woche tanzen Merkel und Sarkozy Foxtrott auf ihren Konferenzen zur Rettung des Euro, und die Märktegehen rauf – bei geringem Volumen. Das heißt nichts anderes als dass der dumme Kleinanleger glaubt, es geht wirklich bergauf.
    Dann aber verkaufen die professionellen Investoren, und Du machst Verluste.
    Hast Du keine Aktien, wirst Du dennoch gefilzt, weil durch das ständige Drucken von Geld der Wert Deiner Ersparnisse entwertet werden. Wie gefällt Dir das?

    • Ich habe zwar naiv gefragt, aber so naiv, dass ich nicht auch weiss dass das Geld in den Tresoren der Banken landet, bin ich nun auch wieder nicht. Trotzdem müsste doch, wenn Zinszahlungen und Tilgungen durch die Rettungspakete garantiert sind, kein Schuldenschnitt verordnet werden und der Schuldenstand des griechischen Staates zumindest marginal sinken. Aber das Gegenteil ist der Fall.

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