Vergifteter Valentinstag


Am Valentinstag herrscht wieder Hochbetrieb in allen Blumenläden. Schnittblumen sind der Renner, denn der Kaufbefehl des Tages lautet: „Blumen für die Liebste!“.

Doch die Schnittblumen kommen zunehmend aus den Billiglohnländern Kenia, Äthiopien, Uganda, Kolumbien und Ecuador, wo die Blumenindustrie einen hohen Stellenwert einnimmt. Sie ist sehr arbeitsintensiv und deshalb ein wichtiger Arbeitgeber. Pflege, Ernte, alles wird von Hand gemacht. In den Entwicklungsländern weltweit sind 200.000 bis 300.000 Menschen in der Blumenindustrie beschäftigt. Was die Arbeiter dort verdienen, reicht jedoch nicht aus, um eine Familie zu ernähren.

Die Blumenindustrie setzt zudem massiv Pestizide ein. Die Arbeiter in den Betrieben sind einer Unmenge von Giften ausgesetzt. Die Beschäftigten haben Atem- und Hautbeschwerden, Kopfschmerzen, Schwindel und Sehstörungen. Das Problem ist, dass die schädlichen Folgen von einzelnen Stoffen nur zum Teil untersucht sind und man weiß sehr wenig darüber, wie Mischungen aus verschiedenen Pestiziden zusammenwirken.

Es kommt auch immer wieder zu Unfällen – wenn zum Beispiel Arbeitern beim Mischen der Stoffe das Gift ins Gesicht spritzt. Das kann bis hin zur Erblindung führen. Neben den direkten Auswirkungen der Pestizide treten massive Langzeitfolgen auf, wie etwa schleichende Vergiftungen, die sich manchmal erst nach Jahrzehnten bemerkbar machen. Auch Fruchtbarkeitsstörungen treten auf, bis hin zu Fehlgeburten. Untersuchungen haben ergeben, dass die Kinder von Blumenarbeiterinnen körperlich nicht auf dem Stand von Gleichaltrigen sind. Das Risiko, dass sie auch geistig zurückbleiben, ist hoch.

Über Abwässer gelangen die Gifte zusätzlich in die Umgebung der Plantagen, wo sie Böden, Trink- und Grundwasser verseuchen. Wer Nahrung zu sich nimmt, die in der Nähe von Blumenplantagen gewachsen ist oder auf andere Art mit den Giftabfällen zu tun hat, unterliegt ebenfalls dem Risiko, sich zu vergiften.

Im Jahresdurchschnitt kommen etwa 30 Prozent der in Deutschland gehandelten Schnittblumen aus Entwicklungsländern. Jetzt in der kalten Jahreszeit sind es naturgemäß deutlich mehr.

Wer ruhigen Gewissens der Liebsten eine Freude machen will, sollte im Blumenladen nach dem Fair-Trade-Siegel fragen. Die von Fair Trade zertifizierten Betriebe müssen sehr strenge Auflagen einhalten und werden sorgfältig kontrolliert. Ihre Arbeiter werden zwar auch nicht reich, aber sie erhalten zumindest einen Gesundheitsschutz, können sich organisieren und sind fest angestellt.

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2 Gedanken zu „Vergifteter Valentinstag

  1. Ein sehr guter, nützlicher und praxistauglicher Artikel, muchas gracias! Aufdas Fair Trade werde ich zukünftig auch bei den Blumen achten.

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