Aus der Traum


Es war einmal ein schöner Traum von einem geeinten, friedlichen Europa, das dereinst als europäischer Staatenbund die europäischen Völker zusammenführen sollte. In wirtschaftlicher Weise aufs engste verflochten, sollte die Bevölkerung der Staaten erleben, dass ein geeintes Europa nur Vorteile für sie bringt. Daraus sollte zuletzt der gemeinsame Wille der Völker entstehen, ein vereintes Europa zu tragen und sich als Europäer zu fühlen. Ein großer Schritt auf diesem Weg war die Einführung einer gemeinsamen Währung.

Dieser Traum muss jetzt als gescheitert angesehen werden! Selbst wenn der Euro auf Biegen und Brechen gerettet werden kann, das gemeinsame Haus Europa ist nur noch eine Ruine. Was Adenauer und de Gaulle seinerzeit als Samen in die vom Krieg zerstörte Erde pflanzten, wird heute von Merkel und Sarkozy rücksichtslos plattgewalzt.

Mit der Euro-Einführung ist die Hoffnung einher gegangen, dass gerade auch in den armen, südlichen Ländern ein dauerhaftes, kräftiges Wachstum erreicht werden kann, und der Wohlstand der Bevölkerung in ganz Europa spürbar wachsen würde. Zu dieser prosperierende Gemeinschaft sollten dann nach und nach neue Staaten Zutritt haben. Darüber hoffte man, Schritt für Schritt eine Zustimmung der Menschen zu erreichen, die auch das politische Zusammenwachsen Europas fördern würde. Dieser Plan ist jedoch von Anfang an nicht aufgegangen. In den großen Volkswirtschaften hat immer die Meinung vorgeherrscht, dass sie nur in den Topf einzahlen und außer blödsinnigen Bestimmungen nichts davon haben. In den kleineren Wirtschaften ist der Zuwachs an Wohlstand nur bei wenigen angekommen. Die Mehrheit der Bevölkerung hat außer dem neuen Geld nicht viel positives von Europa gesehen.

Jetzt in der Krise ist aus der europäischen Solidarität ein eiskalter Wirtschaftskrieg innerhalb der Eurostaaten geworden. Erpressung ist das Mittel der Wahl und die Länder, die den Staatsbankrott vor Augen haben, müssen sich immer demütigendere Auflagen gefallen lassen, um in den Genuss der rettenden Hilfsgelder kommen zu können. Der Bevölkerung der Länder, die die Hilfsgelder zur Verfügung stellen, wird dabei der Eindruck vermittelt, dass ihr sauer verdientes Geld nun dazu hergenommen wird, die faulen Pleiteländer, die nicht wirtschaften können und nicht sparen wollen, zu retten. Die Bevölkerung der Not leidenden Staaten erfährt jetzt, dass sie „von Europa“, insbesondere von Deutschland und Frankreich, an den Rand der persönlichen Existenz gezwungen werden.

Jeder Mensch in Europa hat nun ein Bild von Europa im Kopf, das mit einem politischen Zusammenschluss der Staaten unvereinbar ist. Die Europäische Idee ist auf dem Altar des Neoliberalismus geopfert worden.

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Ein Gedanke zu „Aus der Traum

  1. Wie schreibt der Freitag in seiner neuesten Ausgabe:

    Die Kanzlerin ist keine Konservative. Sie ist eine Radikale, die alles auf eine Karte setzt. In der Eurokrise riskiert sie zu viel…

    Damit ist eigentlich alles als FAZIT zusammengefaßt…meiner Meinung nach.
    Die EU ist in meinen Augen zum scheitern verurteilt…und manche wollen (oder können) es noch nicht wahrhaben…

    Die sog. „Europäische Idee“ weis ich im Ursprung gar nicht mehr… oder habe es den letzten durchaus nur negativen Meldungen EU-Themenmässig der letzten Jahre verdrängt…

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