Deutsche Medien und Facebook


Aktuell hat sich die Süddeutsche Zeitung darüber beschwert, dass Facebook sich nicht so verhält, wie es die Zeitung gerne hätte. Als ob das was ganz Neues sei, dass Facebook nur das macht, was es selbst will. Lesen die Redakteure der SZ ihre eigene Zeitung nicht?

Das ist aber nur eine Episode am Rande. In vielen deutschen Medien wird gerne darüber berichtet, dass Facebook seine Nutzer ausspioniert und dass man – selbst wenn man nicht registriert ist – überall von Facebook beobachtet wird. Aber gleichzeitig betreiben diese Medien eine Facebook-Seite und sie werben dafür, dass diese Seite genutzt werden soll. Und sie haben natürlich auch den berüchtigten „Like-Button“ in ihre Online-Angebote eingebaut. Diese Scheinheiligkeit geht mir auf den Geist!

Es ist ja inzwischen Allgemeingut, dass Facebook Unmengen von Nutzerdaten sammelt, aufbereitet und damit bei Werbetreibenden Milliarden verdient. Wenn die Medien darüber berichten und das richtigerweise als mindestens bedenklich darstellen, dann sollten sie doch auch so konsequent sein und keine eigenen Angebote und Inhalte auf Facebook einstellen oder wenigstens den „Like-Button“ auf den eigenen Online-Seiten weglassen. Aber nein, sie unterstützen noch freiwillig die Datensammelwut von Facebook.

Die Medien machen sich auch andauernd Sorgen darüber, dass Ihre Urheber- und Verwertungsrechte im Netz möglicherweise nicht beachtet werden. Dass ihnen also im Internet Profite sozusagen vor der Nase weg kopiert werden. Und gleichzeitig stellen sie Personal ein und bezahlen dies, um auf Facebook Seiten zu pflegen, die nur dem Profit von Facebook selbst dienen. Wie bescheuert kann man denn sein?

Aber wahrscheinlich haben sie sich alle für teuer Geld von sogenannten „Social-Media-Beratern“ sagen lassen, dass heute keine Firma mehr existieren kann, wenn sie nicht auf allen Kanälen mitmischt.

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6 Gedanken zu „Deutsche Medien und Facebook

  1. Ja, eben solches hatte ich mir bei manchen Nachrichten im Fernsehen gedacht. Es wurde reißerisch über die Problematik „Facebook“ berichtet und danach wurde man eingeladen bei Facebook auf den Seiten der Sendung zu stöbern. Das geschah sogar im öffentlich-rechtlichen Fernsehen.

    Nachdem ich nun schon eine Woche (oder mehr?) in meiner Facebook-Testphase bin, kann ich folgendes berichten:
    1. Ich fühle mich leicht gedrängt, gefällt mir bei Aktivitäten von Familie und Freunden zu klicken und wenn ich das gemacht habe, dann auch allen auf ihre Anfragen zu antworten. Jetzt wissen sie ja wieder, wann ich online war. 😉
    2. Manchmal frage ich mich beim Surfen, ob Facebook jetzt wieder mal weiß, dass ich ein Browserspiel spiele, wo ich eigentlich etwas fürs Studium machen wollte.
    3. POSITIV: Ich habe über Facebook mit meiner Schweser über längere Zeit zum Thema „Geschichte der Mongolei“ gechattet.
    Doch das hätte ich auch wo anders machen können.
    4. Manchmal fühle ich mich überfordert: Blog, Twitter und Facebook.
    5. Jeder ist in Facebook, doch bei Twitter zum Beispiel geht es aktiver zu. Auch der Blog hat mehr echte und themenbezogene Interaktion geboten. Bei Facebook wird einfach mit einem Daumen nach oben Zustimmung zum Ausdruck gebracht.

    6. Nutze ich gerade Deine Pinnwand, um meinen Ausstieg bei Facebook einzuleiten und einen vernünftigen Text dazu zu schreiben.

    Ich hoffentlich, du siehst dies hier als ein „Daumen-hoch“ für Deinen Beitrag und nicht als Spam. 🙂

    Diese „Social-Media-Berater“ belagern mich auch bei meinem Twitter-Account. Ein immer größer werdender Berufszweig? Muss man dafür etwas wissen & können?

  2. Das wundert mich aber, dass Du so schnell schon den Ausstieg aus Facebook wieder planst. Verstehen kann ich es immerhin. Wenn man nur so zum Spass im Internet Aktiv ist, dann fressen einem Facebook, Twitter und ein Blog wirklich die Zeit. Da muss man dann Prioritäten setzen.
    Als „Social-Media-Berater“ musst Du nur eine Powerpoint-Präsentation zusammenzimmern können. Mehr nicht. Du solltest aber auch bei Facebook, Twitter und am besten auch bei Xing gemeldet sein.
    Ach, so nebenbei: hat Dir Facebook viele Besucher auf dein Blog geschwemmt?

  3. Tja ja… wie in meinem Kommentar zu sehen, überwiegen halt die negativen Seiten. Schlimm ist einfach, dass ich mich unwohl fühle. Nun muss ich kluge Worte finden, um den befreundeten Facebook-Nutzern klar zu machen, dass ich dort wieder offline gehe. Das hat sich damals bei Studivz teilweise schon schwierig gestaltet. 😉

    Na, dann bleibe ich vielleicht bei Facebook, kann ich so doch Social-Media-Berater werden. 😀

    Mein Blog hat im Moment eine kontinuierliche Besucherzahl, doch Facebook hat mir keine neuen Besucher beschert, vor allem wohl aber deshalb, da ich mich sträube Leute als „Freunde“ einzuladen, nur damit ich Werbung mache.
    Heute zum Beispiel habe ich keinen Besucher über eine Facebook-Verlinkung, dafür zwei Besucher, die von deinem Blog zu meinem gefunden haben.
    Das kommt als weiterer Negativpunkt bei meiner Facebook-Erfahrung also hinzu.

  4. Hallo alle Miteinander,

    @mercfalk, habe gestern Abend die Phoenix-Runde zum Thema Facebook gesehen, das war ganz und gar nicht reißerisch. Neuerdings werden Facebook-Kommentare sogar in die Sendung weitergereicht. Twitter-Kommentare haben es noch nie in die Sendung geschafft, bezeichnend, wie ich finde.

    @all, ich will gar nicht abstreiten, dass es einen komischen Beigeschmack hat, wenn Facebook-Kritiker für ihre Seite werben. Es gibt ja auch rauchende Ärzte, die Patienten aus guten Grund abraten, zu rauchen. Es gibt Mörder, die ihre Kinder so erziehen, dass sie Morde abstoßend finden werden.

    Nur weil die Medien (als Organisationen) ein Interesse am strikten Urheber- und Verwertungsrecht haben, nur weil sie (als Organisationen) FB für ihre Außenwirkung nutzen, heißt dass doch nicht dass Journalisten (der Mitarbeiter, Einzelne) kritisch über FB berichten würden.

    Im Gegenteil, ich fände es fragwürdig, wenn große Medienhäuser FB und Co. meiden würden, nur weil es gewisse Nachteile gibt. Damit mich Niemand falsch versteht, ich bin nicht Mitglied bei FB, weil meine Daten dort nicht hingehören. Als Privatmensch ist das meine Entscheidung. Als Firma, als juristische Person, welche Öffentlichkeit sucht, sollte ich FB und Co. nutzen. Gerade weil ich dort viele junge Menschen erreichen kann.

    Das Datenschutz-Problem bei FB wird wahrscheinlich nur zum Teil durch Ignoranz gelöst. Viele sehen die Probleme gar nicht, sie können gar nicht reagieren?

    Wer soll den nun Aufklärung leisten, bravo56? Wenn die Medien durch ihre Verknüpfung mit FB raus fallen, bleiben nur noch ein hart-gesottene Blogs wie unsere. Und nun?

    Willst du Aufklärung von „lupenreinen“ Akteuren die keiner ließt? Oder willst du Akteure, die grau meliert sind, aber eine gewisse Reichweite besitzen?

    Gruß, David Marien

    • Wenn ein Sender oder eine Zeitung Facebook loben würde, nur weil sie selbst bei Facebook präsent sind, fände ich es auch mehr als zweifelhaft. Das die Medien das nicht machen ist ja lobend anzuerkennen.
      Die Nutzer der eigenen internet-Angebote jedoch in die „Facebook-Falle“ laufen zu lassen, indem dort der „Like-Button“ angebracht ist, finde ich einfach nicht in Ordnung. Damit werden selbst die Leute getrackt, die Facebook nicht nutzen.

  5. Pingback: „Zeit“ deaktiviert Social-Media « W.M.S.E.

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