Höll – Lohndumping als Unternehmensrettung


Lyoner
Lyoner

Die Lyoner (für Nicht-Saarländer: eine saarländische Fleischwurstspezialität) vom Saarbrücker Fleisch- und Wursthersteller Höll ist im Saarland beliebt und berühmt (in meiner Familie wurde jedoch immer die „vom Kunzler“ bevorzugt). Trotzdem musste das Unternehmen im Dezember Insolvenz anmelden. Die Hälfte der Belegschaft sollte im Zuge der Insolvenzverwaltung entlassen werden. In den Verhandlungen mit der Gewerkschaft NGG kam man dann zu dem Ergebnis, dass nur 100 der bislang 300 Mitarbeiter entlassen werden. Unter die Freude über die Sicherung von 200 Arbeitsplätzen mischt sich jedoch Empörung. Die Arbeit der entlassenen Kollegen soll künftig von rumänischen Werksarbeitern übernommen werden, die nicht mit Tarif-, sondern mit Werkverträgen ausgestattet sind.

Ist es jetzt schon so weit, dass ein Unternehmen nur noch unter Einsatz von Dumpinglöhnen bestehen kann? Wenn man diese Praxis betrachtet, kann man doch nur über die Mindestlohnpolitik der Regierung lachen (aber nur, um nicht kotzen zu müssen). Hier wird einem doch vorgeführt, dass die tarifvertragliche Einigung über „Mindestlöhne“, wie die Kanzlerin das ja unbedingt will, gar nicht funktionieren kann. Deshalb ist dieser Fall ein Musterbeispiel dafür, dass schnellstens ein wirklicher Mindestlohn eingeführt werden muss.

Advertisements

4 Gedanken zu „Höll – Lohndumping als Unternehmensrettung

  1. Das Ist EIN Beispiel für viele (die Schlecker-.Geschichte passt perfekt hinein zum Beispiel).

    Allerdings ist ein Mindestlohn nicht die Lösung. Ein finanzierbarer Mindestlohn stabilisiert Armutsniveau, ein akzeptabler Mindestlohn ist nicht finanzierbar.

    Aus diesem und vielen anderen Gründen halte ich das Bandbreitenmodell für einen wesentlich besseren Weg, die Menschen angemessen zu entlohnen und gleichzeitig die Inlandsnachfrage anzuschieben.
    http://uhupardo.wordpress.com/2011/11/06/serie-der-tag-nach-dem-crash-teil-1-das-bandbreitenmodell/

    Saludos del Uhupardo

  2. Das Bandbreitenmodell mag vielleicht Charme haben, aber es wird sehr lange – vielleicht für immer – eine Utopie bleiben. Ich tendiere als Utopie eher zum bedingungslosen Grundeinkommen.
    Ein echter Mindestlohn ist immerhin für die nahe Zukunft machbar.

  3. „Der Fall der Berliner Mauer wird sehr lange – vielleicht für immer – eine Utopie bleiben.“

    … sagte bravo56, als er noch nicht wusste, was „machbar“ war. 😉

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s