Leben vom Müll


MüllhaldeManchmal sehen wir im Fernsehen Bilder von Menschen, etwa in Indien, die sich auf Müllkippen all die Dingen zusammen suchen, von denen sie leben oder mit denen sie ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen. Wir schütteln den Kopf, ekeln uns ein wenig und denken, dass Menschen eigentlich so nicht leben müssen dürften.

Neuerdings werden Berichte häufiger, in denen beschrieben wird, wie Menschen in Deutschland sich von Lebensmitteln aus den Müllcontainern von Supermärkten ernähren oder wie sie riesige Summen durch das Sammeln von Pfandflaschen zusammen bekommen. Hier verschiebt sich der Tenor der Meldungen jedoch dahin, dass es doch so einfach ist, seinen Lebensunterhalt aus den Dingen zu bestreiten, die die Anderen wegwerfen. Man klagt eher über die Geschäfte, die noch genießbare Lebensmittel in den Müll werfen als dass man darüber klagt, dass es auch hierzulande Menschen gibt, denen fast nichts anderes mehr übrig bleibt, als sich aus eben diesem Müll zu ernähren. Es wird nicht mehr betont, wie unwürdig es ist, vom Weggeworfenen leben zu müssen. Das Containern – ja, diese Lebensweise hat auch schon einen Namen – wird viel eher als eine sportliche Angelegenheit. Vor allem, wenn gezeigt wird, wie Ladenbesitzer, die nicht wollen, dass man ihren Müll zerwühlt, doch noch um ihre Schätze gebracht werden. Oder, wenn man die „Beute“ eines nächtlichen Streifzuges vorgeführt bekommt.

Es entsteht der Eindruck, dass unser Land so reich ist, dass die Bedürftigen von dem leben können, was weggeworfen wird. Wozu braucht man denn da noch so einen hohen Hartz-IV-Satz? Da könnte der Staat doch sicher noch viel Geld sparen. Dadurch werden dann Diejenigen, die heute noch zu faul sind, zum Containern motiviert. Ganz nach dem Motto „Fördern und Fordern“.

Die Medien sind schon wieder mal mit viel Hingabe dabei, den Boden für eine weitere Runde von Sozialleistungskürzungen zu bereiten.

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2 Gedanken zu „Leben vom Müll

  1. Es ist richtig, große Teile unserer Bürger leben im Überfluß und wir sind zu einer Wegwerf-Gesellschaft verkommen. Was ist der Grund und warum sind wir dahin gekommen wo wir heute sind?
    Meiner Meinung nach sind wir der Grund, wir, die Käufer! Angedötschtes Obst wird links liegen gelassen, Brot und Brötchen müssen knackig sein sonst wird der Bäcker links liegen gelassen. Und Lebensmittel, deren Haltbarkeitsdatum fast erreicht ist, die kommen erst gar nicht in den Einkaufswagen.
    Über dieses Käuferverhalten haben Institute über Jahre Studien verfasst, die uns das heutige Ergebnis liefern.
    Wir die Käufer haben es in der Hand, wir müssen unser Verhalten ändern. Übrigens, für unser Verhalten zahlen wir dann auch die entsprechend teurere Preise, denn die Hersteller geben die Kosten an die Verbraucher weiter.
    Dieses Thema hat m.E. nach nichts mit Hartz IV-Beziehern zu tun, da sollte man keine Brücke schlagen.

  2. Es bedarf einer eigenen Betrachtung, warum so viele Lebensmittel weggeworfen werden. Das war auch gar nicht mein Thema.
    Was mich bewegt, ist der Umgang der Medien mit Berichten über Menschen, die sich von diesen weggeworfenen Lebensmitteln ernähren. Selten ist die Not, die die meisten Menschen dazu treibt in den Containern nach noch brauchbaren Lebensmitteln zu suchen, Thema dieser Berichte. Aber gerade hier ist die Brücke zu Hartz-IV-Beziehern. Es ist bei vielen die Not, die im System Hartz-IV entsteht, die sie an die Container treibt.

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