Wie Facebook unser Leben verkauft


Sicherlich bietet Facebook auf den ersten Blick viele interessante Funktionen. Doch das ist nicht ohne Tücke. Facebook sucht zwar potentiell verlorengegangene „Freunde“ für uns, das dient aber allein der eigenen Expansion. Eine Strategie, die aufgeht, denn das Netzwerk hat weltweit etwa 600 Millionen Mitglieder – wäre Facebook ein Land, wäre es das drittgrößte dieser Erde. Bei dieser Expansion gehört es dazu, dass der Konzern nicht nur die Daten registrierter User, sondern auch die Daten von Nicht-Nutzern ins Visier nimmt. Dieser Trick führt über einen kleinen Knopf, den mehrere Hunderttausend Partnerseiten von Facebook integriert haben. Er zeigt einen kleinen weißen, nach oben gerichteten Daumen und darunter steht „Gefällt mir“ oder „Empfehlen“. Es handelt sich um eine Kernidee von Facebook – denn hier können Facebook-Mitglieder direkt ihr Gefallen äußern – das wiederum meldet das System auf den Seiten ihrer Freunde, die nun wissen, dass mir dieser oder jener Bericht „gefallen“ hat – dieses oder jenes Produkt, ein Song, ein Film oder auch eine Facebook-Seite eines Politikers. Auf diese Weise werben wir „unter Freunden“, was von Werbetreibenden natürlich für wirkungsvoller gehalten wird, als wildfremde Werbungen. Diese Strategie heißt im Werbe-Jargon „Empfehlungsmarketing“. Nun gut, sollte man denken, das kann man ja mitmachen oder es bleiben lassen und bedienen kann diesen Knopf auch nur, wer Facebook-Mitglied ist. Allerdings können mit diesem Button noch andere Funktionen verbunden sein, von denen Nicht-Mitglieder von Facebook nicht das Geringste ahnen. Schon bei einem einfachen Klick auf eine Seite mit dem „Gefällt mir“-Button platziert Facebook Cookies auf der Festplatte, ohne dass man zuvor den Empfehlungsbutton angeklickt hätte. Sie melden dann jeden weiteren Besuch auf der Website dem Absender. Bei den Cookies, die Facebook setzt, handelt es sich um sogenannte persistente Cookies, die für längere Zeit – bis zu zwei Jahre – auf der Festplatte bleiben. Für Facebook sind sie Gold wert, denn sie markieren Benutzer eindeutig und ermöglichen eine Wiedererkennung.

Im Fall von Facebook sind die Cookies aber noch wirksamer, denn wenn man auf eine andere mit Facebook verbundene Seite klickt, erfährt das Facebook ebenfalls. Facebook kann über zwei Jahre sehen, wo sich Nutzer im Netz aufhalten, auf welcher Webseite sie aktiv sind. Bei vielen Internetdiensten verlängert sich der Aufenthalt der Cookies mittlerweile bei jedem neuen Aufruf innerhalb der Zwei-Jahres-Frist um weitere zwei Jahre. Allerdings können Google, Amazon und Co. das Netzverhalten nur anonymen IP-Adressen zuordnen. Sie wissen nicht, wer vor dem PC sitzt. So ist es zwar auch bei Facebook, aber nur solange man dort nicht angemeldet ist. Holt man dies eines Tages nach, hat Facebook bereits jahrelang das eigene Netzverhalten ausspähen können. Facebook weiß dann unter Umständen mehr über einen, als man selbst noch in Erinnerung hat. Es entsteht ein umfassendes Psycho- und Sozialprofil.

Schon bei unserer Anmeldung auf Facebook werden wir automatisch animiert, möglichst viel von uns preiszugeben: den Wohnort, das Alter, Geschlecht und Beziehungsstatus (Single, verheiratet, geschieden, offene Beziehung oder: „es ist kompliziert“), unsere Position, Arbeitgeber, Universität. Und permanent fragt uns Facebook: „Was tust du gerade?“ Alles, was wir dort eingeben, verwendet Facebook, um uns zu scannen. Wir tun das alles, um dazu zu gehören. Facebook-Mitglieder laden jeden Monat etwa 3 Milliarden Fotos und 10 Millionen Videos hoch. Sie verwenden Facebook als digitales Album. Und pro Tag wird der „Gefällt-mir“ oder Like-Button 3 Milliarden Mal angeklickt. Aus diesen vielen Regungen im Netz erfährt Facebook über die Menschen in 70 verschiedenen Ländern mehr als jemals zuvor eine Organisation oder Regierung. Das Unternehmen profitiert im Vergleich zu anderen Webseiten unter anderem davon, Anzeigen durch eine tiefgehende Analyse der Nutzerdaten sehr zielgruppengenau anbieten zu können. So kann es zum Beispiel anbieten, entsprechende Werbeanzeigen bei Mitgliedern im Alter von 20 bis 30 in Büttelborn zu platzieren, die gern Freeclimbing betreiben. So verkauft Facebook unser Leben und verdient dabei mehr und mehr Milliarden. Für das Jahr 2011 wurden Facebook Einnahmen aus der Werbung von 4 Milliarden Dollar prognostiziert, 2012 sogar von 5,7 Mrd. Dollar. Unsere „Freundschaften“ bescheren dem Unternehmen einen Geldregen.

Jeder, der Facebook nutzt und jeder, der einen „Gefällt mir“-Button setzt oder anklickt macht sich zum Goldesel für Facebook.

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7 Gedanken zu „Wie Facebook unser Leben verkauft

  1. Da ich heute einen bei mir noch nie gesehenen Besucherandrang auf meinen Blog hatte, der anscheinend durch eine Facebook-Verlinkung ausgelöst wurde, wollte ich wissen, ob ich herausfinden kann, wer denn da so nett Werbung für mich macht.

    Was soll ich sagen: Letztes Jahr hatte ich mich bei Facebook registriert, nach zwei Tagen dann habe ich mein Konto „deaktiviert“, wie es in der Sprache von Facebook heißt. Dies bedeutet wohl, dass meine Daten trotz Abmeldung bei dem Dienst gespeichert bleiben, denn heute konnte ich mit meinem alten Passwort und meiner EMail-Adresse den Account wieder „reaktivieren“.

    Ich fühle mich dadurch sehr unwohl, denn so kann Facebook wohl trotz meiner Deaktivierung des Accounts schön weiter mit meinen Daten spielen, wie Du es in Deinem Beitrag beschreibst.
    Eine wirkliche Frechheit finde ich zudem den Versuch, den User dadurch zu halten, dass man auf emotionaler Ebene argumentiert:
    Bevor du dich abmeldest: XY wird dich vermissen. YX wird dich vermissen.
    Liebe Facebook-Betreiber, ich sehe meine Geschwister öfter und sie sehen mich wohl öfter, als ihnen lieb ist, sodass sie mich sicherlich nicht bei Facebook vermissen werden.

    Der große Datenspeicherer und -verwerter hat bei meiner Recherche leider nichts gebracht; dennoch bin ich dem Facebook-User, der meinen Blog verlinkt zu haben scheint, für seine Werbung dankbar.
    So hat alles Böse doch sein Gutes.

  2. Wer sich auf Facebook einläßt, der muss davon aus gehen, dass er vieles aus seinem privaten Leben preisgibt. Ähnlich wie bei Google, Yahoo oder einem der größten Online-Versandhäuser Amazon. Bist du bei einem dieser oder mehreren angemeldet, dann haben diese nicht nur deine „anonyme“ IP sondern können diese auch deinen kompletten privaten Daten zuordnen. Viele Internet-Nutzer haben z.B. eine Google E-Mail Adresse, oder auch schon einmal bei Amazon eingekauft also kennen sie dich und durch die Cookie-Setzung auch dein Surf-Verhalten!

    Dagegen kann man was tun, man könnte z.B. anonym surfen dafür gibt es bestimmte Programme, wenn man es möchte oder löscht mit CCleaner oder Tune up turnusmäßig die Cookies vom eigenen PC. Nur was bringt das? Eigentlich nichts, denn man ist ihnen ausgeliefert. Und wer meint, ich bin nicht bei FB registriert und kaufe auch nicht bei Amazon ein, der wird dann vielleicht eine sogenannte Toolbar in seinem Browser haben „Google-Toolbar“ oder „Yahoo-Toolbar“, es gibt mittlerweile so viele davon, dass eigentlich kein Internet-User da noch so richtig durchschaut.

    Die Einzigen aber, die den Durchblick behalten, das sind die oben erwähnten Konzerne. Denn selbst mit der Toolbar wird dein Surfverhalten kontrolliert. Jede Seite die du anklickst wird über die, z.B. Softonic-Toolbar, an Softonic geschickt und von dort weiter. Ein lohnendes Geschäft was mit den Daten der ahnungslosen Internet-Usern betrieben wird.

    Ich habe mich frühzeitig damit abgefunden, dass immer, ja immer, einer über meine Schulter schaut wenn ich im Internet unterwegs bin, auch wenn ich alleine vor meinem PC sitze.

  3. Anonymität im Internet ist wirklich schwer zu erreichen. Darum geht’s mir aber gar nicht. Facebook hat aufgrund seiner Größe und aufgrund der allumfassenden Datensammelei eine völlig neue Qualität in die Ausspähung seiner Mitglieder etabliert. Wer Facebook nutzt ist sich dessen sehr oft gar nicht bewusst. Wer Facebook nicht nutzt, sollte davon ausgehen dürfen, dass Facebook ihm auch nicht hinterher spioniert. Toolbars kann man abschalten und löschen, dann ist man sie los. Facebook wird man nicht los, sogar, wenn man gar nicht registriert ist. Das ist ein gewaltiger Unterschied.

  4. Ich denke, die Cookies auf externen Seiten, die den Facebook-Button haben, werden nur dann aktiviert, wenn du diese anklickst. So oder so, durch verschiedene Programme kannst du die Cookies für immer von deiner Festplatte löschen. Wenn du keine statische IP-Adresse hast dann kann Facebook mit den alten Cookies auf ihren Servern nach einer späteren Anmeldung meiner Meinung nach nichts anfangen. So sehe ich das.

  5. Ich bin kein Programmierer und muss mich bei meinen Aussagen auf Medien verlassen, die in solchen Dingen Ahnung haben. Ich kann mir aber vorstellen, dass das Cookie selbst eine ID hat, die damit unterschiedliche IP-Adressen doch zuverlässig zuordnen kann. Zumindest würde ich (naiv wie ich bin) das so machen, wenn ich das Problem wechselnder IP-Adressen ausräumen wollte.

  6. Pingback: Testprogram läuft – Inkonsequenz oder Neugierde oder Ehrgeiz… « Blumenkaesten

  7. Pingback: „Zeit“ deaktiviert Social-Media « W.M.S.E.

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