Ich bleibe im Amt


Zunächst wollte ich ja nur einen Kommentar im Textdepot schreiben, der hat sich aber dann doch zu einem eigenen Beitrag ausgewachsen.

Nach quälend langen Tagen (der Präsident musste ja auch nach der anstrengenden Weihnachtsansprache zuerst einmal Urlaub machen) hat sich Christian Wulff erneut zu den Vorwürfen gegen ihn geäußert. Im heimeligen Studio vor zwei braven Journalisten gab er Auskunft. Meiner Meinung nach wieder genau im Guttenberg-Schema. Halbherzige Eingeständnisse und lauwarme Entschuldigungen, dazu sich selbst sie Opferrolle zuschreibend.

Zwei Dinge sind mir besonders im Ohr geblieben:

zum Ersten hat er in der Sache mit dem Bild-Anruf gesagt, er habe nicht gewollt, dass unwahre Dinge berichtet werden, deshalb habe er den Anruf getätigt. Nur hat sich doch alles, was berichtet wurde als nur allzu wahr herausgestellt. Die Zitate, die man bisher gelesen hatte, zeugen auch von einer völlig anderen Intention des Anrufes bei Diekmann. Wulff bringt es noch nicht einmal fertig in einer Entschuldigung die Wahrheit zu sagen.

zum Zweiten sagte er, er wolle nicht Bundespräsident in einem Land sein, in dem man sich noch nicht einmal Geld von einem Freund leihen dürfe. Diese Art und Weise, die Dimension des Fehlers herunterzuspielen zeugt von Naivität, Arroganz oder Unverschämtheit. Auf jeden Fall ist es nichts Gutes. Zu Beginn der Affäre konnte man diese Art der Argumentation in einigen Kommentaren lesen. Es ist nichts dagegen zu sagen, wenn selbst ein Ministerpräsident sich Geld von einem Freund leiht. So nach dem Motto: “Egon, streck‘ mir doch mal die 500 Euro vor, ich hab grad kein Kleingeld in der Tasche“. (Dann muss er es aber auch zurückzahlen, nicht wie der Mainzer OB Beutel) Die Dimension des Hauskredites ist jedoch eine ganz andere und es ist klar gesetzlich geregelt, was ein niedersächsischer MP darf und was nicht.

Interessant fand ich ja auch, dass Wulff meinte, er wolle nach fünf Jahren Amtszeit resümieren, dass er der Bundesrepublik ein guter Präsident gewesen sei. Das heißt doch wohl, dass er eine zweite Amtszeit gar nicht mehr anstrebt.

Jetzt wird in den Medien darüber gerätselt, ob das ein Befreiungsschlag war oder nicht. Es ist müßig, darüber zu befinden. Wulff bleibt im Amt weil er es nicht begreift, wer dem Amt Schaden zufügt. Er glaubt die Presse und diejenigen, die immer wieder kritisch hinterfragen, seien auch diejenigen, die das Amt des Bundespräsidenten schädigen. Jedoch ist hierzulande nicht einmal das Staatsoberhaupt unantastbar. Wulff selbst ist derjenige, der dem Amt Schaden zufügt. Mit jedem Tag, den er daran festhält, wird der Schaden größer. Er hat dabei das Glück, dass weder der Regierung, noch der Opposition daran gelegen ist, gerade jetzt einen neuen Präsidenten wählen zu müssen.

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4 Gedanken zu „Ich bleibe im Amt

  1. Pingback: Qui bono? « W.M.S.E.

  2. Hallo bravo56,

    das Thema scheint dich nachhaltig zu interessieren. 🙂

    Kannst du aus der gegeben Faktenlage die Auffassungsgabe eines Herrn Wulff beurteilen? Ich nicht!

    Was ich aber glaube beurteilen zu können ist die Taktik die dahinter steht. Er will Frau Merkel Stress ersparen. Er weiß, dass Merkel ihm einen (wie auch immer gearteten) Spielraum deswegen einräumt. Hier geht es nicht um das Wahre, das Moralische, das Gute. Hier geht es um Machterhalt. Wie immer in der politischen Sphäre.

    Mich wundert immer, wenn Leute schreiben, Person x zerstört Ansehen des Amtes y. Nach Beamtenrecht sind Amt und Person zwei verschiedene Dinge. Ein hohes politisches Amt hat zweifelsohne eine höhere Bedeutung als vom Beamtenrecht zugeschrieben. Immer eine Person ist mit einem Amt verknüpft. Das Amt wiederum wird von rechtlichen- und gesellschaftlich/moralischen Bestimmungen definiert.

    Was ist nun dieses Ansehen? Wenn wir hier Ansehen als Glaubwürdigkeit definieren, kann klar definiert werden was glaubwürdige Amtsführung ausmacht? Berlosconi ist aus dem Amt geflogen weil seine Existenz die Zinsen hoch getrieben hat. Das hat zwar wieder indirekt was mit Glaubwürdigkeit zu tun, aber auf direktem Wege ist nicht deswegen rausgeflogen.

    Weil sich Mentalitäten, Strukturen und Meinungen ändern, ändern sich auch Amtsführungen. Wenn die Trennung zwischen Amt und Person einen Vorteil hat, dann den: jede neue Person füllt das Amt neu aus. Das (hohe politische Amt) ist überparteilich

    Eine Person kann das Ansehen des Amtes gar nicht zerstören, das Ansehen des Amtes zerstört die Person. Sie ist eben mit den Anforderungen nicht klargekommen.

    Es müsste also korrekt heißen: das Ansehen von Person x wurde durch schlechte Führung des Amtes y zerstört.

    Wulff zerstört sich nur selbst, er kann nur sich selbst zerstören

    Gruß, David Marien

  3. Das ist eine interessante psychologische Variante, die Du da am Schluss einführst. Das hat was.
    Das „Ansehen des Amtes“ wird meines Erachtens vorrangig von den Vorgängern im Amt geprägt. Hier hat v. Weizsäcker großes geleistet. Alle, die ihm nachfolgten, hatten durch ihn einen großen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsbonus. Diesen Bonus verspielt Wulf nun gerade.

  4. Pingback: Amt, Person und Ansehen « dmhdf – das Blog der Mittelmäßigkeit

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