Streit um „Der Weg ins Paradies“


Wenn bei Politikern gar nichts mehr geht, kann man immer noch das Fernsehen kritisieren. So wie die FDP-Politiker Burkhardt Müller-Sönksen (medienpolitischer Sprecher der Liberalen im Bundestag) und der CSU Innenpolitiker Stephan Mayer es jetzt tun. Sie haben sich, wie so viele am Sonntag, den Tatort angesehen und doch tatsächlich ein Haar in der Suppe gefunden. Da gab es kurze Szenen, die eine Zusammenarbeit vom BND mit syrischen Geheimdiensten zeigen. Empörend, finden die Politiker. Man könne doch nicht zeigen, dass der deutsche Geheimdienst mit den Syrern zusammen arbeitet. Gerade jetzt, wo die Syrer nicht mehr gesellschaftsfähig sind. Müller-Sönksen lässt sich zu folgender Äußerung hinreißen: „Das ist eine äußerst zweifelhafte Botschaft, die der gebührenfinanzierte Tatort aktuell aussendet. Und das in einer Zeit, in der der syrische Geheimdienst für zahlreiche Morde an Oppositionellen und Deserteuren verantwortlich gemacht wird“. Stephan Mayer meint: „Der Tatort hat einen unangenehmen Beigeschmack“ „Warum musste man ausgerechnet den Geheimdienst eines Landes nehmen, in dem neben dem Iran derzeit das brutalste Unrechtsregime herrscht?“ Auch Alexander Vogt, der Medien-Experte der SPD in NRW, kritisiert den Hamburger Tatort als einseitig: „Die Probleme in Syrien hätten nicht komplett ausgeblendet werden dürfen.“ Müller-Sönksen versteigt sich sogar zu der Forderung dass diese Tatort-Folge vorerst nicht mehr ausgestrahlt wird.

Die meisten „Tatort“-Folgen sind sehr gut recherchiert. Gerade dann, wenn es um aktuelle und gesellschaftspolitische Themen geht. So auch dieser. Und er NDR- Fernsehfilmchef Christian Granderath teilt mit, der Tatort orientiere sich „bei aller Freiheit von Drehbuchautor und Regisseur – an den Fakten“. In der Vergangenheit habe es in Bezug auf das Terrornetzwerk Berührungspunkte zwischen dem syrischen Geheimdienst und dem BKA gegeben.

Man kann es auch etwas deutlicher formulieren, denn es kann kein Zweifel daran bestehen, dass es eine Zusammenarbeit zwischen deutschen und syrischen Geheimdiensten gibt zumindest gab. Wenn Politiker nun fordern, so etwas dürfe man noch nicht einmal in einem fiktionalen Genre zeigen, so ist das scheinheilig.

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