Wulff läuft die Zeit davon


Muss Norbert Lammert schon mal vorsorglich eine Weihnachtsansprache für sich schreiben lassen? Falls wir das Fest ohne Christian Wulff als Präsidenten feiern dürfen müssen, hoffe ich doch, dass der zweite Mann im Staat diese lästige Pflicht des Präsidenten übernimmt.

So nach und nach kommen die Rufe auf, dass Christian Wulff von seinem Amt als Bundespräsident zurücktreten solle. Die Hauskredit-Affäre belastet ihn immer mehr und sein wortklauberisches Taktieren schädigt das Ansehen seines Amtes.

Hatte ich es nicht schon geahnt. Die Affäre ist mit Wulffs Erklärung vom Donnerstag noch lange nicht vom Tisch. Immer neue Ungereimtheiten und Details des Kredits kommen ans Licht und belasten den Präsidenten immer mehr.

Es ist ja keine Schande, wenn ein Ministerpräsident sich scheiden lässt und darüber finanziell etwas schlechter da steht als vorher. Es ist auch nichts dagegen zu sagen, wenn er sich mit seiner neuen Partnerin ein neues Zuhause kaufen will.

Aber warum geht er dann nicht, wie jeder Andere auch, zu seiner Bank und fragt da um einen Kredit nach. Meint er etwa, sie hätten ihm als Ministerpräsidenten den Kredit verweigert? Das glaube ich nun gar nicht. Aber wenn man in Egon Geerkens einen Freund hat, der viel Schwarz Geld in der Schweiz liegen hat, ist es doch einfacher sich das Geld von ihm zu leihen. Warum aber wurde die Herkunft des Geldes mittels eines Bundesbankschecks verschleiert? Damit es der Bank-Azubi nicht sieht? Lächerlich! Wenn obendrein dann noch ein Zinssatz ausgehandelt wird, der deutlich unter dem üblichen Zinsniveau der Banken liegt und zudem überhaupt keine Sicherheiten verlangt werden, dann kann man doch dem Deal gar nicht widerstehen. Oder? Gerade dann muss ein Ministerpräsident „Nein“ sagen. Weil er, wenn er einen solchen Kredit annimmt, ganz sicher in eine Abhängigkeit gerät und womöglich auch gegen Gesetze verstößt. Mir als Nicht-Juristen fallen da das Ministergesetz und das Geldwäschegesetz ein. Einem Juristen wie Wulff muss das und vielleicht auch noch mehr sofort auffallen.

Nun ist es aber so, dass Christian Wulff dem Deal nicht widerstehen konnte. Und prompt fällt es auf ihn zurück. Nachdem er vor dem Landtag über geschäftliche Beziehungen zu seinem Freund Geerkens Auskunft geben soll, sagt er wahrheitsgemäß(?) dass es keine gibt. Er hat ja wohlweislich den Kreditvertrag nicht mit Geerkens selbst, sondern mit dessen Ehefrau abgeschlossen. Warum aber löst Wulff den Kredit kurz nach der Landtagsanfrage mit einem Bankkredit ab? Ist da der Jurist in ihm erwacht? Wurde ihm da die Sache dann doch zu heiß? Und trotzdem kann Christian Wulff es nicht lassen, nach einem besonders günstigen Kredit suchen zu lassen. Wiederum durch Vermittlung seines Freundes Geerkens bekommt er einen Bankkredit zu Sonderkonditionen.

Wulff kann man in dieser Sache nach der Aussage vor dem Landtag und nach der lapidaren Erklärung vom Donnerstag nicht glauben. Geerkens hat auch nicht gerade dazu beigetragen, glaubwürdig zu erscheinen, nachdem er versichert hat, nie staatliche Förderungen für seine Unternehmungen beansprucht zu haben. Hat er doch mindestens bei einem Bauprojekt in Berlin Fördergelder erhalten.

Die Sache gehört aufgeklärt. Um sein Amt zu retten, bleibt Christiam Wulff wohl nur noch die Möglichkeit, schnellstmöglich alle Karten vorbehaltlos auf den Tisch zu legen und Einsicht und Reue zu zeigen. Wenn dabei keine Straftaten zutage kommen, könnte er mit einer solchen ehrlichen Geste sogar noch mit einem positiven Image des Geläuterten aus der Affäre entkommen. Das Zeitfenster dafür ist aber nur noch sehr klein.

Herr Lammert sollte seine Redenschreiber schon mal vorwarnen.

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2 Gedanken zu „Wulff läuft die Zeit davon

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